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Full text of "Schwarze Faden - Zeitschrift Nummer 0-77"

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IQJIORIAL 

Seit dem Mai 198o machen wir den Schwarzen Fa 
den. In der Auseinandersetzung mit den gesell 
schaftlichen Veränderungen und Bewegungen ver-j 
suchen wir brauchbare Ansätze unter antistaat 
liehen Gesichtspunkten zu erarbeiten, Fine 
sinnvolle Perspektive ergibt sich für uns nur 
aus einer Diskussion der verschiedenen anar¬ 
chistischen Ansätze. So beziehen sich die Re¬ 
daktionsmitglieder auch auf unterschiedliche 
politische Zusammenhänge. Diese spiegeln sich 
in Form und Inhalt der Beiträge wieder. 


LETZTE MELDUNG ZUM KRONSTADT 1 KONGRESS 


INHALT : 




Leserbriefe 

5. 1-4 

Reagan ln Amerika 

S. 5-6 

Zu^ Nachrüa tungsbeschluß 

S. 7-11 

Berliner Häu-serkampf 

S.12-13 

Spießrutenlaufen in Zürich 

S.14-15 

Freiheit der Trauen 

S.16-23 

Krönstadt-Kongress 

S .24 

Frage nach dem anarchistischen Subjekt 

S.25-27 

Betonzeit. Buchbesprechung 

S.20-30 

Carlo Sponti 

S .31 

Di© "Österreichische" Ökonomie-Schule 

S.32-34 

Materialien zur radikalen Ökologie 

S.35-38 

Widerstand im Dritten Reich 

S .39 

Aboverlängerung 1?! 

S ,40 


Berliner Frauen schlagen folgende weitere 
Diskussionspunkte vor: m 

-Sexualität : Was. heißt freie Liebe? ^ 

Macht sie wirklich frei? 

-Reißt die Mauern ein-Holt die Menschen raus- 
aber für Vergewaltiger? ^ 

-Frauenträume und Wirklichkeit * 

-Arbeit als Weg zur Emanzipation der Frau? 

-typisch weibliche Handlungsunfähigkeit und Passivität?? 

... die Suche nach Frauen in der Geschichte des Anarchismus 
"Jedoch wollen wir nicht das Ende der Entbehrung, 
sondern den Anfang der Entfesselung!" 

P- Kontak ts 030/2166334 (Ulli) und‘ 030/618190 6 (Alexandra) 




REDAKTIONELLE KUMM ITT EI LUNGE» 

Tg^msrarmmnrumm »saasas arae ress ss es sb ssä st so as ss st as 

Wir haben vor ©ine feste Spalte mit Kurz¬ 
rezensionen von Büchern, Broschüren... 
einzurichten. Debei sollen dl© Exemplare, 
die uns geschickt werden, im Nachhinein 
Grundstock oder Beitrag einer KNA5TAU5- 
LEIHBIBLIOTHEK werden, (vgl.Aufruf in Nr.2) 
Wer also an uns Bücher schickt, muß wissen, 
daß er sie nicht zurückbekommt, - auch 
wenn wir sie in einer Kurzbeeprechung nicht 
verwenden! 


Das Titelbild stammt wieder einmal aus dem 
Buch "PEQPLE’S PARK" vom WINDDRUCK VERLAG 


Redaktionskollektiv dieser Nummer: 

REUTLINGEN:Wolfgang Hsug, Peter Höh, 
Friederike Kamann, Brita Rahf, Peter Stahl 
MARBURG: Stefan Blsnkertz, Gudrun Winkelma 
HAMM: Horst Blume 
OSLO: Jürgen Wierzoch 


HERAUSGEBER: 

Redaktion SCHWARZER FADEN 
Obere Weibermerktstraße 3 
7410 Reutlingen 


DRUCK: 

WINDDRUCK VERLAG 
Am Dünkelsloh 13 
3554 Lohra/Rodenhauaen 


V. i.S.d.P. 

Horst Blume 
Schleusenweg 10 
4700 Hamm 















Man kann, wenn man will, geschichtliche Be¬ 
gebenheiten natürlich mit zu Überlegungen 
heranziehen, 2 . B *"Bürgerkrieg in Österreich 
- Tatsachen, Dokumente, Berichte'*- 
Der Herausgeber schreibt anfangs: (...)"Den 
Versuch der Heimwehr, ihre faschistische 
Herrschaft in Österreich aufzurichten, hat 
die Sozialdemokratie mit dem Generalstreik 
und dem bewaffneten Aufstand beantwortet* 

Fünf Tage hindurch waren die Augen der Welfe 
nach Wien, den Zentren des Arbeiterkampfs 
gerichtet* Die Dollfuß-Regierung in Österreich 
jhnt den Widerstand der Arbeiterschaft im 
Blut erstickt und sich zum politischen Werk¬ 
zeug der schwärzesten Reaktion erniedrigt* 

Die einzelnen Phasen dieses Kampfes kennen¬ 
zulernen, ist für jeden Zeitgenossen von 
^bleibendem Wert* 

'■&**■$ 47 Seiten ist in dieser Broschüre an. 
Zeitungsausschnitten zusammengetragen, was 
h’Ür irgendwie im Februar 193 4 aufzufereiben 
■/frar'. ;Hi,n wirkliches "Stück" kompromißlosen 


"(...) Nun, und das solltet Ihr in Erwägung 
ziehen, zu überlegen, für wen der SF ge¬ 
macht wird. Denn was die junge Generation 
(bis 3 5 ig) interessiert, wird, so glaube ich, 
aber ich lasse mich gern belehren, bei denen 
über 35 oder 40 weniger zutreffen und schon 
gar nicht bei jenen, die den Krieg erlebten 
und gar noch denjenigen, welche vor. 1933 
die Zeiten einer revolutionären Gärung unter 
der Arbeiterschaft mitmachten. Doch sei dem 
wie es wolle, wichtig ist, daß der SF 

sich mit der Seit durch seine Abd's selbst 
finanziert und der Inhalt wirklich eine 
ausstrahlende Kraft darstellt. Sehr wichtig 
ist, {...), daß die Anarchisten unterein¬ 
ander eine fundierte Meinung erlangen. Es 
bedarf keiner "einheitlichen" Meinung, nur 
einer sich im Grundsatz nicht widersprechen¬ 
den (...) 

So wäre die Auffassung über 1) "die Ge schichte 
der kompromißlosen Kämpfe um und für die 
Freiheit..." eine ernstliche Überlegung wert;,/ 
2) Wo das Übel in "der Geschichte und Gegen- 


Kampfes in Österreich gegen den aufkommenden 

Faschismus, (vgl.Anmerkung) 

Aber dennoch, bei all unseren Betrachtungen über 

■ damals, so wertvoll und notwendig sie auch sein 
mögen, nie soll bei den Überlegungen die Zeit 
. •■-Vergessen, werden.,.in denen-- diese Käihpfe um ein 
■ Stück Freiheit stattfanden. Dnd nicht darf bei 
Auslegungen und Schlußfeigerungen unsere Gegen¬ 
wart übersehen werden, unsere Zeit, mit ihrem 
; vorhandenen Geist der Arbeiterschaft, -der Klein- 
bürger und der Studentenschaft,- die gerade in 
.ihrer Mehrheit dabei ist, ln den reaktionären 
Fuß stapfen ihrer Korps^Kopimili tonen ®sts vor 1933 
'Sich^ zu profilieren (■** .• > ' f 

Ih unserer Diskussiön muß wohl die Frage, (.*.)- 
■-,.die Wörzel dleg üfeeds-, -V- ; breitesten Raum 
einnehmen? es wird ein für oder «ider auftauchen, 
aber eines mögen die Diskutanten bedenken, er- 

den Leser j&üf Sätzen. U ..) 

i Leser soll ühe;r das Darg^tbfte nachdenken, 

| r a 0 U' 3 ich selber eine Melnuhf hjUden... 

OTTO REIMERS, Laufenburg 


«art der Unterdrückung" liegt und lag.(...! ijiajerkungs „ , I. 

"Wir wollen ja alle raus aus der Kiste", hört sich für Österreich 34 naher interessiert, 

sich gut an; aber das WIE es gelingen kann, kÄttjetzt als Taschenbuch 'relativ' billig 

- sollte unter 1) und 2) aufgezeigt werden. Oskar Maria Qrafs Roman "Die gezählten'Jahre” 

1927 erschien eine Beseitige Broschüre «W° bgs«tereibt den Aufstieg der Nazis bis 

steckt die Wurzel des Übels?« M*«iigegeben zur Machtergreifung in Wünchen, die Zerstritten- 

von antiautoritären Menschen im AADE-Verlag heit von KPD Und SPD'öJid 4M «agiSChg Wieder- 

"Proletarischer Zeitgeist*'« sowie eitte >holung der Ereignisse in Wien. .Graf schrieb den 
zeitige Broschüre, die sich “Erlebnisse »»4 Roman 1934 im Exil' .'In fien.und^besCht<i#t diese 

Schlußfolgerungen eines Revolutiontrs«: Periode und das Taktieren der SPB-Funktionäre - : 

titelte, es sind Erlebnisse von 1897 Ms gin« sozialdemokratischen Familie,, 

zu den März-Tagen 1920 . ' / v ^^'|^| : ;|||^/n:'^J,eiehe* Wetse' «anflöst* Wig die 














MH 


< * • *) Insgesamt halte ich es für nutzlos, im 
anarchistischen Ghetto sich groß darüber zu 
verbreiten - gemeinsamer Feind eint; aber ich 
finde es viel wichtiger, wenn wir diese Vögel 
lassen, was sie sind - eine irrelevante Gruppe 
genau wie die anarchistische ‘Bewegung*, und 
Aufruhr verursachen sie ja nur bei denen, die 
sich libertär nennen - und zwar hauptsächlich, 
weil unter den Libertären keine nennenswert© 
gesellschaftliche Praxis besteht? ich hielte 
es für sinnvoll, wenn sich anhand der Furore, 
die der Hamburger Entwurf entfesselt hat, eine 
Debatte angefangen würde darüber, warum der 
Anarchismus "in diesem unserem Land” (Helmut 
Kohl) eine so marginale, einflußlose Ersehet* 
nuag geblieben ist, Und welche Elemente, vor 
allem welche Praxis oder auch ge¬ 
radem lebt- Praxis, welche archai¬ 
schen Elemente im Anarchismus resp, allgemein 
in der Theorie und Praxis des libertären 
Sozialismus (wozu für mich Rosa Luxemburg wie 
auch Anton Pannekoek u.a. gehören) z.B. dazu 
geführt haben, daß auf die Fragen von Morgen 
die Antworten von gestern oder vorgestern ge¬ 
geben werden* 

Welche Probleme stellen die 80er Jahre? Be¬ 
sonders die Entwicklung in der BRD und in der 
EG? Wie sehen' die Strategien und Taktiken des 
Staates und der herrschenden Klassen aus? Wie 
die permanente, immer tiefere Durchkapitali¬ 
sierung der Gesellschaft, des "Freizeit”- 
bereichs? Die Sinnentleerung des Alltags; die 
ganzen marginalen Bewegungen mit ihren viel¬ 
fältigen, sich widersprechenden, aneinander 
vorbeigehenden Strömungen (Umwelt, Jugendliche 
Frauen, Alternativ-, Ökonomie etc.), damit 
müssen wir uns auseinandersetzen, 


Ebenso die erneut auf tauchende 
sozialistischen Partei, die nach,:^^?|^- nicht ' 
von der Tagesordnung ist (ich höf schon einige 
Genoss-inn-en auf schreien!). Oder die Entwick¬ 
lungen bei den Grünen, ihre 

dies sind alles Gruppen, Tendenz <$§■>::,#£© ; zumin- ■ 
dest teilweise zur verkümmerten " 

gehören, zu der ja auch wir gehö!e^r(fnd : 'die- 
Fragen stellen, die unter Sozialisten lange keil 
■Thema waren. ' v 7 ; ' : 7 ' .pv /. ' ' 

Was ich meine, ist dies: die Lin|^ in der BRD, 
und besonders die Libertären in ihr, sind in 
einer sehr tiefen Rücke an © ad h » 






Ne Stellungnahme oder Leserbrief zu dem Artikel von 
HORST STOWASSER. (SF-Nr.2) 


An sich ist der Artikel schon o.k., nur läßt er 
die eigentlichen Probleme im Raum stehen, anstatt zu 
versuchen, was dagegen zu setzen. Ich hoffe, zumin¬ 
dest tendenziell was an Ergänzung beizutragen. Wenn's 
auch manchmal etwas polemisch anklingen mag,- so hab 
ich ähnliches nicht im Sinn gehabt und Kritik, was 
es ja auch sein soll, muß man Verträgen können f nich? 

(...) Wie es wohl wäre, wenn es keine Soldaten und 
Armeen geben würde; man stelle sich vor "wenn sie 
einen Krieg geben und niemand kommt";'dann träumt 
Horst weiter, von "zivilem Ünaehorsam", überSieht 
dabei natürlich - wie es sich für einen Pazifisten 
gehört - die sich füllenden Gulags, KZ's und die 
Stadions von Chile, alles zum größten Teil gefüllt 
von Verweigerern jeder Coleur, übersieht die über¬ 
füllten Psychiatrien in allen Staaten - deren In* 
sassen oft genug Ausgeflippte sind, deren einziger 
‘Wahnsinn* darin besteht, nicht mehr mit dem Wider** 
Spruch klarzukommen, der da heißt:"Man müßte eigjäht- 
lich adäquaten Widerstand leisten", den aber sie v 
aufgrund ‘zivilisatorischer Pazifizierung* nicht 
leisten können oder nicht wollen... Horst übersiebt 
die Randgruppen und die dadurch hervorgerufenen 
Verelendungen und Verknastungen und er übersieht die ?.l 
‘natürliche Unmöglichkeit 1 eines "ZIVILEN UNGEHOR¬ 
SAMS“... ' • 

"ZIVILCOURAGE" und "ICH STEIGE AUS" sind typische/" ; 
Reformbegriffe, wobei ersteres, glaub ich, ein ameri¬ 
kanischer Volksbescheissungsbegriff ist. Erinnflf . 
mich jedenfalls auch an das Wortgewixe von Genscher,;. 
damals als sie Brockdorf umbiegen wollten, hechelte 
Genscher "Ich bin ein Freund von Bürgerinitiativen" 
und danach blies alles ins gleiche Sackgassenhorn / 
"kritisches Bürgertum ist angebracht uaw." - schön 
geordnet vorgehn, Pack - damit wir euch besser kon¬ 
trollieren können; rein in die Bürgerinitiativen,Pack 
- damit wir an unsere Sozialindikatoren drankommen; 
gewaltfreier Widerstand, Pack - damit wir euch besser 
schlagen können; (...) 

Den einzigen und wirklich richtigen Ansatz, der 
eine Lösung - und die Möglichkeit von Krieg ODER 
Frieden aufgezeigt hatte und der unsere Aufgaben 
dazu hätte evident werden lassen, den hat Horst 
selber abgewürgt: "...das es offenbar keiner Seite 
ernst war und ist, und das (neben) Rüstung und 
Armeen...auch noch andere (Abläufe) hinzukommen, 
und die sind vor allem FINANZIELLER NATUR. Ich will 
mir sparen, hierauf einzugehen". • . 



treiber; Moloch Kapitalismus. Darauf sind die 
Kriegstoten und die Hungertoten, die von der öko¬ 
nomischen Metzelei tagtäglich hinterlassen werden, 


zurückzuführen. 

■>£s dürfte heute 


: \ 0 - 


XV ., 


mit allen notwendigen Quali¬ 
fikationen - als wissenschaftlich gesichert gelten, 
festzusteilen, daß jede echte Abrüstung, d.h. 

reble Abbau des Milätärapparates -und', jede' sub-' 
stbnzielle Reduktion das Rüstungssektors in be- 
. f sonderem Maße die USA, aber auch Frankreich, die 
in ökonomische und sozis-politische Krisen 
btozen würde, in deren Konsequenz die kapi¬ 
talistische Wirtachafts-und Gesellschaftsordnung 
f selbst kaum mehr überlebensfähig wäre." 

(I.Krippendorff: Internationale 
Beziehungen als Wissenschaft) 

(v*,.) Und in diesem Kontext sind Zapfenstreich© 
und öffentliche Vereidigungen von Soldaten zu 
/■ ■- sehen; auch um die Widersprüche unter den Sol¬ 
daten zuzudecken, was der Zweck von Apels Orden- 
i ^leihüng Sein soll, Apels ganzes Gequatsche 
' fi die Bundeswehr als Defensiv armes - teil des 
Volkes - unser aller Beschützer") dient natür- 
• i, ,i|ch der Kriegsvorbereitung, schon ; ;ina3L 

an den »großen Söhlig} den ;sie mittele 
ifafc* Mittelstrecke^ .4&S<äl>SHr» - «h.ci ; _ 

der von keinem Volk erwogen wird* als von der 
US-Bqurgeosie; was nur ne Folge und ein alter 
Traum der triebhaften Vormachtstellung des US- 
Imperialismus ist, ist gleichzeitig 
komplizerei der BRD-Kapitalistan als 
die mehr dbnn je neue Absatzmärkte hrauehen, wo 
rom einen der westliche Konsumfetisehismus kaum 
• V : Erweiterung besitzt und 

zum anderen die Konsequenzen aus den interkapi- 
talistischen Konkurs enzen gezogen werden müssen. 


[die Mord- 
EG-Dominanz, 


(He Alter, von welchem Planeten kommst du eigent- 

lieh? Schon lange her/ he?) Damit hast du das \ - f , 

Wichtigste ausgespart und verzichtest auf eine •/ ; ’ 1; ■ 

Untersuchung der TRIEBKRAFT DES KAPITALS,.. Der Leserbrief von Karl-Heinz ist ungefähr doppelt 

Hlbän^vtihg: aber nach längerem überlegen 

' : ' v ‘^ 

: /w <■ k ?. * ’• «. .■•'V •. \ c . 'V* 


Militärisch und Ökonomisch sind nicht auseinanderiU’ 
halten und gehören zu ein und demselben Kriegs 


Wesphtiiehbn die 
mit ahdOren Beispielen wieder- 












Ihr habt in der “Redaktionellen Kurzmitteilung” 
der Nummer 2 geschrieben» daß Ihr zukünftig 
mehr auf “aktuelle Auseinandersetzung» Diskus¬ 
sionen»./. 11 eingehen wollt und zusätzlich 
waren zwei Leserbriefe drin» die sich negativ 
zu dem Artikel “Marginal!sierung des Subjekts“ 
stellten. Wird’s also Zeit» finde ich, nochmal 
auf Euer “Editorial", das Ihr diesmal nicht 
abgedruckt habt» hinzuweisen. Ich bin der 
letzte, der rein für Theorie und Schriften 
Interesse aufbringt» aber gerade das hab 1 ich 
lait vom SF auch erhofft - ein Versuch den 
klassischen Begriff von Anarchismus auf die 
"moderne Industriegesellschaft" umzusetzen 
und zu diskutieren* ich fand den Artikel 
“Marginalisierung..insofern gut, wenn er 
auch nicht bis ins Detail meine Meinung ver¬ 
tritt. 

Zwei Dinge zum (kritischen?) Artikel über die 
RAF? erstens entsprachen die “Argumente" zu 
'oft denen etablierter Massenmedien und ver¬ 
mittelten eher grundsätzlich eine negative 
Einstellung zur Metropolenguerilla ("selbst¬ 
ernannt den Kampf führende Guerilla") und 
zweitens ist mit dem "Alten" nicht Marx» 
sondern Mao tse tung gemeint. Ich halte es 
grundsätzlich für zu einfach und oberfläch¬ 
lich in einem kurzen Artikel die RAF wegen 
ihres hierarchischen Aufbaus (oder gar 
"Stalindoktrin") zu kritisieren bzw. abzu¬ 
urteilen . 

Seit 24.12. ist hier in Nürnberg übrigens 
ein Raus (Olaf-Ritzmann-Haus) von uns besetzt. 
Die Mehrheit der Besetzer bezeichnen sich als 
Anarchisten. Wir versuchen auch ein möglichst 
anarchistisches Konzept durchzusetzen. (...) 
Das Haus enthält zwei Läden - geplant ist 
unter anderem ein anarchistischer Buchladen 
mit Kneipe und Cafe (Rhizom-Ableger in Nürn¬ 
berg?). 

P.S.: Auch die Nummer 2 des SF fand ich im 
Großen und Ganzen wieder sehr gut. 

Thomas» Nürnberg 


Lieber Thomas, 

das verwechseln von Marx und 
Mao war wohl nicht die einzige Schwäche des 
RAF-Kri tik-Artikels, -das konnte ich vor allem 
aus den Briefen von Johannes Roos und Bernd 
Rössner entnehmen, was ich mit "selbster¬ 
nannt den Kampf führenden Guerilla" gemeint 
habe» will ich aber aufrecht erhalten: 









Vom Anarchistischen her, wür 


daß fortgeschrittene MenscherC^I^, ,. 1 

"Massen" mitarbei ten» mi '^ß 

eine Art Katalysator zu 

grund' ihres vielleicht gröö|^|^'M^t«firbß#ör. 
Impulse in die Richtung zu ^f ■ 

soziale Veränderung/soziale Re^ölui-ion ab¬ 
zielt.Das wäre mein Anliegen, weil/i;ch ; ; #e|[en 1 
den Begriff "Avantgarde" erstmal allergisch 
bin. Lasse ich mich auf i*’' 

ein, dann könnte ich eine solche Gruppe 
solange rechtfertigen, solange sie eine feste 
Bezugsgruppe hat, für die sie stellvertretend 
Aktionen durchführt, die der größeren Menschen¬ 
menge unmöglich sind. Das keine 

Institution werden, d.h. •' 

gen. : «3%r.. 


müssen immer direkt auf die 
größeren Gruppe bezogen bleib 
sich nicht verselbstständigen 
die ETÄ im Baskenland? ein 
sicher, nicht DEN Entsolidar 
haben, eben weil die G-ueriJ 
Problemen arbeitet, wie eir 
der Bevölkerung.) Für die 


*n, -..dürften- 
etwa 

ke würde dort 

% <*«?..•..c •• & 


n denselben 
ht 'großer- $ei| 
Sp sehe ich das 
anders», sie entstand aus der Erfahrung einer 
Minderheit:-- innerhalb einer größeren Minder—'"-, 
heit (68er Bewegung).. Sie übernahm Avantgarde- 


Funktion, 


aber wo war di|$Pj 



Wessen Massenwider stand symbolisiert sie 
damals und heute- in ihren Einzelaktionen? 

Die Linken sind*s nicht mehr (warens vielleicht 
nie)-, die Anarchisten woilens anders; dief;^-, : 
Arbeiter sind größtenteils Bürger geworden f\ 
und die Bürger sind die, die int Schlaf gestört, 
nach dem starken Staat plärren^ Direkt bleibt 
also keine- Bezugsgruppe übrig und. daraus., i 
resultiert Isolation eben AUCH; der Bezug zu' 
den Kämpfen in der 3.Welt mag: zwar richtig 
sein, löst die Situation für den einzelnen' 
hier jedoch nicht. - : ;V; ‘ 

Was kann eine Avantgarde? :*->S'i.e:. Äf-- j 

latenten KampfmögIichkeiten aufzeigen. Aber 
um das zu tun, war die RAF zu einem immens 
hohen Grad an“Aufrüstung“* Perfektionierung ' 
gezwungen. Wer. konnte DARIN seine eigene Kampf¬ 
möglichkeit entdecken? Entweder man. läßt die' 

RAF- dann stellvertretend {fern Kampf 

führen,- oder man tritt der RAF 4 b%i; - $om4,fc/l ' 

aber das Problem nicht gelöst ist, sondern -! 

höchstens individuell auf 4&tipbm . ^ber auf diesa 

Weise kämpfen die wenigete#|jU/u.hd ; 

weil sie- Angst haben, son4e-:^#V^ 

anders wollen, Wenn der S 

treibt, auf solche Art wideitsta## 

weil alle anderen Arten w^ire 

das für mich nichts ‘Br 

fremdbestimmte Notwehr. - ^nz' : : öhne- ' 

Anspruch und damit aber IS i v e- 

Wol f g ahg v;-r; 

4 












REAGAN IN AMERIKA. UND WAS UNS DAS ANGEHT. 


1. Der Spielraum wird enger 

Mit einem Feuerwerk, das 11 Millionen Dollar koste-* 
te, wurde in Washington nicht nur Reagan zum 40* Prä' 
sidenten der Vereinigten Staaten inthronisiert, 
sondern auch eine düstere Vision: Salt II wird nicht 
ratifiziert, Salt I gekündigt - die beiden mageren, 
aber "wenigstens mehr als nichts"-Abrüstunqsver- 
träge zwischen den USA und der UdSSR die Auf¬ 
rüstung geht wieder unvermindert-unverblümt weiter, 
die UdSSR hat ein (millitärisches) Auge auf Polen, 
die USA auf El Salvador. 

Weniger symbolisiert Reagen die Gefahr des welt- 
vernichtenden Atomkrieges - (die symbolisiert jeder 
Regierungschef einer der Supermächte, egal ob er 
"rechts", "gemäßigt" oder "links" ist) sondern 
vielmehr eine repressive Tendenz der USA gegen die 
"Verbündeten". Die faktisch schon bestehende Auf¬ 
teilung der Erde unter UdSSR und USA wird verfe- 
stiat und unentrinnbar gemacht. Die verstärkte 
Repression und Aufrüstung innerhalb der NATO "recht¬ 
fertigt" Verschärfunaen innerhalb des Warschauer 
Packts, mit denen die NATO wiederum ihre eigene Ten¬ 
denz "rechtfertigen" kann. Polen gegen El Salvador: 
unter Reagan ist das‘möglich, während noch Afgha¬ 
nistan gegen Iran nicht möglich war. 

"Reagan" ist die Brescihnew-Doktrin des Westens. 

Wenn wir - d.h. alle unabhängigen, friedliebenden 
und freiheitlichen kräfte - uns das bieten lassen, 
dagegen nicht unsere Stimme erheben, werden wir in 
Zukunft keine Chance zur Unabhängigkeit mehr haben. 
Wieder wie im Kalten Krieg der 50er Jahre wird 
"man" auf der einen oder der anderen Seite sein* 

2 ♦ Reagan und "die" Amerikaner 

Mit den einleitenden Sätzen habe ich angedeutet, 

was Reagan außenpolitisch und objektiv bedeutet. 

Aber zeigt die Wahl Reagan 1 s auch, daß "die" 
Amerikaner mit aggressiver Außenpolitik und rep¬ 
ressiver Innenpolitik sich einverstanden erklärten? 
Mat sich das Amerika, das durch Thomas Jefferson, 
taa Goldman, Woody Guthrie, Joan Baez, Paul Good- 
man, durch die International Workers of tho World, 
die Yippies, die United Farm Workers, die Black 
Panthers repräsentiert wird, mit der Wahl Reagen’s 
zum Präsidenten liquidiert? Obwohl es so den Schein 
hat, denke ich, daß es verhängnisvoll für Anar¬ 
chisten ist, einen solchen Schluß zu ziehen. Die V 
Wahl Reagan’s ist ein Medienspektakel gewesen, wie 
es in Massendemokratien üblich ist. Die Bevölke¬ 
rung hat mit Wahl oder Passivität gezeigt, daß 
sie sich durch dieses Spektakel blenden lassen* 

Dennoch müssen wir zwischen Regierenden und Re~ 


von Stefan Blankertz 



’.V C> 'H-et. Schon für die Bundesrepublik mit ihren 

notorisch hohen Wahlbeteiligungen ist nachge- 
i Riesen worden, daß noch keine Regierung die 
TI 'jffeitr hei t der Bevölkerung hinter sich hatte. Für 
fie USA gilt das mit ihren geringen Wahlbetei- 
\fligungen (nur knapp mehr als 50 %)■ in noch 
- .Hafte* V ■ ' *. 

t-f ’■ dann» Was ist mit den Motiven in der Wahl? 

• ,:v;;ÖÄr^ konkret am Beispiel Reagans Nur 11' % sei- 
ßier- • Wähler' bebau ihn - so die Demoskopen - We¬ 
gen seiner reaktionären innen- tind außenpoliti- 
schen Aus sagen gewählt. Dazu kur sieren in den 
--HBÄ z-wfci plastische ÄniekÄifen-:- Ciru Student ,. 
der aktiv in der Anti-Kriegs-Bewegung ist, 

' k tihdf zunächst Carter. als Übel" 

< a ; _/• v ■ 

dem Kriegshetzer Reagan vorzog, änderte nach , 
der Fernseh-diskussion •zwi^e^fk/jC-äit'er' und' Reagan 
seine Meinung, wie er einemP Repiorter der "Wa¬ 
shington Post" erzählte: habe ihn Über¬ 

zeugt, daß er keinen Krieg anzejtteln würde, 
und da Reagan etwas gegen die Inflation tun 
würde, wäre er nun sein Kandidat, 
find zweite Anekdote: Ein Reporter des Fern- 

• lV i der. Wahl nacht unter -einigen enthu-' 
Reaqan«Wahlhelfern eine . 
rauchte.* Gefragt, ob 1 sie 
nicht wüßte, daß Reagan ein Gegner von Marihuana 
•v - : bie! "Zum Teufel -fixt : ihm! " 

,, . . . ■■■■■■■■ \ v' . . 

* Beratern befindet sich der' 


■■ 

: 

Mim 


der.-Zusammen mit über. 

gierten, zwischen Herrschenden und Beherrschten Aufruf im ■Widerstand ' 

unterscheiden selbst dann, wenn die Wahlmehrheii.-:- ; >^ Wdhr- 

des Volkes diese Unterscheidung nicht im Bewußiry/ ,0'V;': pflicht unterl^lfehnate.,, <M : : v\i'\ : E'VV- r 

* v 


■ iMM-' 


Mi ; 































































































3, Dia Unzufriedenheit und die Unke 
Inflation» Arbeitslosigkeit und Staatsver¬ 
drossenheit sind durchaus Motive bei den 
Wählern - in den USA wie bei uns. Die tradi¬ 
tionelle linke profitiert davon ungleich 
weniger als die Rechten* Denn die Linken 
schlagen - (zumindest muß sich das dem nor¬ 
malen, nur durch Zeitungen und Fernsehen in¬ 
formierten Wähler so aufdrängen)- - nichts 
als einen Ausbau der Allgewalt des Staates 
vor; außerdem verlangen sie soziale Verände¬ 
rungen, während die Wähler Angst haben, das 
zu verlieren, was sie haben oder zu haben 
meinen* Die Linken verstecken ihre Friedens¬ 
politik hinter Diplomatie oder moralischem 
Pazifismus, während die Börger Aggressivität 
nach außen brauchen, um .ihre Ohnmacht und 
Würdelosigkeit nach innen auszugleichen. 
Gerade weil sich die Anarchisten so eindeu- 
tiq als "Teil der Linken” fühlen und darstel¬ 
len, können di© in Differenzierungen nur 
wenla geübten Wähler die Alternative des An¬ 
archismus schwer erkennen. 


Damit stellt sich Milton Friedman noch nicht 
als hoffnungsvolle Kraft dar - (etwa die Hoff¬ 
nung, daß Reagan "doch nicht so schlimm ist ) —, 
aber es zeigt, daß selbst unter politisch be¬ 
wußten Reagan-Wählern Brüche und Widersprüche 
bestehen. Offensichtlich haben weder die Wähler- 
Massen , noch Leute wie Friedman eine kluge 
Wahl getroffen. Die Wähler haben - auch das 
gehört zur Maasendemokratie - keinen Durchblick. 
Mur weil die Wähler keinen Durchblick haben, 
kann das System seine gegen Freiheit, Selbst¬ 
verwaltung und Frieden gerichteten Funktionen 
so unwidersprochen ausführen. Damit ist das 
lassendemokratische Verfahren als Instrument 
der staatlichen Herrschaft gekennzeichnet, 
aber gerade nicht die prinzipielle Übereinstim¬ 
mung von gewähltem Präsidenten und der Bevölke¬ 
rung bewiesen. (Fine ausführliche Analyse der 
Manipulation des Wählerbewußtseins bei der 
Wahl Reagan * s findet sich in meinem Buch "Ro¬ 
nald Reagan an der Macht", Büchse der Pandora 
1 .) 


Doch acheint mir die ’tfew' .AffetfhJia- 

mus Im Moment nötiger denn.'/ijfr, ät'ttV habens- Auf: 
der einen Seite haben alle #ti#ren politischen 
Konzepte versagt. Der Liber#11|mu# hat die 
Freiheit der Bürger, die et; fördern wollte, 
an Überwachungsstaat und MtanipbEätionspolitik 
verraten. Der Konservatismd#| der die organi¬ 
sche Entwicklung von vorm Staat 

retten wollte, bedroht ineuasoEials Entwick¬ 
lungen mit repressiven Geaft'lsn#.. Und der So¬ 
zialismus schließlich hat, ^anstelle von rati¬ 
onaler und bedürfnisorientletfcer Wirtschaft| 
nur bürokratische Mißwirtschaft hervorgebracht. 
Auf der anderen Seite ist die internationale 
Politik zu einem Pokerspiel um. Seih und 
'Nichtsein der Weltgeword #t|;= .und nur : "e ine ra¬ 
dikale Absage an den WahniliSh kann noch Hoff¬ 
nung auf eine Lösung brin|# ; hm : ;;.'v' ; ^ 

Reagan in den USA rad 1 ’feftgr Wie 

Strauß als Bundeskanzler es bei uns tun Wür¬ 
de) die politische Entsch|^^p^g;'l • $rfew#ddr aj<- 
. zeptiert die Menschheit den schleichenden, 
demokratischen und sozialf##bnÖIiitsbhen Fa¬ 
schismus und die fortgeselltevlbd^obunig:.dürbh 
Atomkrieg, oder sie wendet sich gegen die 
Ursache, den Staat selbst!-körrhcn 
wir nur hoffen, daß op-posi^^bll#.^Strömungen, 
wie sie sich zur Zeit belh‘ : d#r■' "Uter- 
tarian Party" (individuaheit 1 ich) 
und der "Citizen’s Partyö^'bio01;^.ch-sozia¬ 
listisch), ausdrück en, ein#; ! i; : #d:h'l#;gkrä f tfg.e ■ ■j 
antxmilitaristische und a#:feä:tä|$ii.crhe 
oung zu formen vermögen. Zeichen in 

diesem Sinne .ist, daß mebr^':äii ; ' ; '''tD dir'arnei- 
rikanischen Jugendlichen äich nieit Haben für 
einen eventuellen Wdhrdi^i|#^^gi#:|ridr : eh' 
lassen. ) IN DER BRD ABER HABEN WIR SELBST DIE 
VERANTWORTUNG DAFÜR, DASS* EINE SOLCHE BEWEGUNG 
ENTSTEHT. . : V. ' : 











DES BUNDESBÜRGERS LIEBSTES HOBBY - EIN NEUER GARTENZWERG 



von Wolfgang Haug und Friederike Kamann 


Militaristen in West und Ost haben seit einiger Zeit 
wieder Oberwasser. Oie Aorrorvision eines atomaren 
Krieges wird als Möglichkeit allernächster Zutaft nicht 
nur in linken Publikationen an die Wand gemalt» sondern 
mehr und mehr in der bürgerlichen Presse zUm ,,f ob- 
jektiven" und damit kalkulierbaren Tagesthema. 

Da wir nun einmal in einem der Zentren des w##tr* 
liehen Kriegsbündnisses leben, gilt unser Interesse 
in folgendem Artikel auch vor allem den kriegerischen 
Plänen auf "unserer Seite". Wir gehen davon aus, 
daß die Rüstungspropaganda des Ostens in ihrer-'Ver*?*- 
logenheit, heuchlerischen Moral, (mit ihren Zahlen*» 
spielen, wo es sich um nicht mehr abzusehätzenden 
blutigen Ernst handelt), und mit ihrer wechselseitigen 
selbstgerechten Schuldzuweisung etc.*, der des WestepS 
in nichts nachsteht. 

Wenn wir uns mit diesem Thema auseinandersetzen und 
den militärischen Denkspielen einer ins Perverse über-* 
steigerten "Sicherheitslogik" folgen, ist uns bewußt, 
daß wir anhand der abstrakten Fakten kaum Lösungsvor¬ 
schläge machen können. Warum wir uns trotzdem aus¬ 
führlicher auf die Stationierung der nuklearen Mittel¬ 
streckenraketen einlassen, hat folgende Begründung* 

Der Widerstand gegen die Öffentlichen Vereidigungen 
hat gezeigt, daß es nicht nur "gefährliche pazifi¬ 
stische Strömungen" (Apel) in der BRD gibt, sondern 
daß eine starke Minderheit ganz Grundsätzliches gegen 
diesen Staat hat, und daß sie sich zur Wehr setzt, 
wenn er versucht, seine martialische Stärke via Medien 
seinem (?) Volk schmackhaft zu machen* Unser Prdbiem 






t sind nicht die veralteten Zapfenstreiche (die ja 

sogar General v.Steinhoff "verjazzen” würde um sie 
licht anziehender zu machen), sondern eher die damit direkt 
lern zusammenhängende Maschinerie von Bundeswehr und NATO. 

Es war sicherlich nicht verkehrt, die öffentlichen 
"Gelöbnisse", für unser Unbehagen zu nutzen, - und die 
Anzahl der Gegner, die sich bei solchen Anläßen ein¬ 
fand, beweist das gewachsene Bewußtsein für die Gefahr, 
m die in der sich ausbreitenden Militarisierung der 

ganzen Gesellschaft liegt. 

Es geht uns in diesem Artikel also nicht darum, eine 
Anti-Mittelstreckenraketen-Bewegung mitanzuregen, 
sondern die in den nächsten 2 Jahren anstehende 
3 en Diskussion um die Stationierung der Mittelstreckenra- 
3ns ketsn in unseren bereits existierenden antimilitari¬ 
stischen Kontext zu stellen, ln Großbritannien existiert 
yrid » mit der C W (Kampagne für nukleare Abrüstung) eine 
Br - breite Bewegung, die, - u.a. auch yon Latour-Linken 
k, getragen vor allem zum Ziel hat»die Stationierung 

der Cruise Missile in Großbritannien zu verhindern. 

Sicher wäre es ein erster Schritt, eine solche Be¬ 
el- wegung zustande zu bringen - und die nachfolgenden 
Informationen dienen in erster Linie für eine solche 
Öffentlichkeitsarbeit*. Doch eine solche Bewegung 
^ en betrügt sich selbst, .bieiJft siebei der Verhinderung 
; , 'der Mittelstreckenrakita;stefieri f - in diesem Sinne 
Sind auch die Stirramerv•'einiger SPD-Link er zu bewerten, 
die im Nachhinein den Nachrüstungsbeschluö bemängelt 
haben, ln GroßbritarÄ||n-.g^^ierte Me, : OND- Bewegung 
in den 50/60er Jahren ächpp;einmal, weil es den Labour- 
Leuten mit ihren KompromiOvorschiSgen möglich war, 
sich maßgeblich einzumischen, solange es nur um 
BESTIMM 1 7 E W^||^|ifgV iFür Anarchisten stellt 
sich das Problem heute eher so, daß die Gegnerschaft 
zum Militarismus zwar grundlegender ist, als auf der 
Stufe bloßer Aufklärung über einen bestimmten Raketen- 
v typus» daß aber auf der anderen Seite inhaltlich mit 

4 den Mittelstreckenraketen als Beispiel sehr viel mehr 

pt Menschen die Rolle des BRD-Mxlitarismus verdeutlicht 
werden kann und muß. 

iiy'lj Unsere These lautet, daß mit der "Mach"-Rüstung (typische 

B jv'J NEUSPRACHE; G.Orwell) die "Sicherheit" der Mehrzahl der 

Menschen in der BRD - (nur eine parlamentarische Minder- 
gemeinsam mit den inddsirielleln und mili- 


mm 




Galionafipuren westlicher Unfreiheit stolz 




^^pl^SS'^fb0 : .)| ! hren' Atombunker verweisen) durch'die Politik des 
"eigenen" Bündnisses im Moment weitaus mehr gefärdet 
ist, als durch die konkrete Politik derer da "drüben"* 











Mit der Aufkündigung der SALT-II-UerhandXungen durch 
den neuen U$-Präsidenten Reagan entlarvt der 79er "Nach"“ 
Rüstungsbeschluß der NATO immer deutlicher seinen eigent¬ 
lichen Charakter als provokativer Aufrüstungsschritt* 


Doch zu den W&ffensySternen selbst• CRUISE MISSILE 


'Los Angeles, (AP) Der künftige anuh 
rikanische Präsident Ronald Reagan 
betrachtet seine Wahl als Führer der 
westlichen Welt als eine »göttliche 
Fügung«* Bei einem Absdiiedsessen 
vor seinem Umzug nach Washington 
vertrat Reagan vor Geschäftsleuten m 
Los Angeles die Ansicht, es sei eine 
»göttliche Fügung gewesen, die uns 
im Dienste der Menschheit« in dieses 
Amt berufen habe. Wie Reagan weiter 
erklärte, steht den Vereinigten Staa» 
ten durch seine Wahl »ein Rendez¬ 
vous mit dem $' xksal« bevor. 


Jzm 


m 


Er macht aus der angeblichen Verteidigungsarmee BUNDES¬ 
WEHR endgültig eine Armee, die sehr wöhl zum Angriff 
fähig ist. Wichtigstes Instrument ist dabei die ge¬ 
plante Stationierung der Mittelstreckenraketen vom Typ 
, Cruise Missile und Pershing-II. Da vor allem die Per¬ 
shings nur als Erstschlagswaffen sinnvoll (?) sind, 
bedeutet ihre Existenz in Westeuropa eine direkte Be¬ 
drohung der UDS&R, die den Kuba-Abmachungen Kennedys 
und Chrustschows widerspricht, wonach Mittelstrecken¬ 
raketen der USA und der UDSSR nicht in anderen 
Ländern (auch nicht des jeweiligen Militärbündnisses) 
stationiert werden dürfen. Was die USA mit der Kuba- 
blokade für sich selbst gewaltsam verhindert haben, 
wollen sie nun ihrerseits praktizieren, indem sie Mittel*. 
Streckenraketen in der'BRD, Großbritannien, Italien, 
Niederlande und Belgien installieren.Diese Stationierung 
erhöht das Sicherheitsrisiko für Westeuropa erheblich f 
weil' die UDSSR gemäß der Militärlogik ihre Atomraketen 
bevorzugt auf diese neuen Standorte richten muß. Der 
Beschluß läuft in der BRD auch den sonst so hochge- 
lobten "BERLIN-INTERESSEN** vollkommen zuwider, da Berlin 
sich bald unfreiwillig in der Rolle Kubas wiederfinden 
könnte. 



i§| * 

sKts 

JfNsi 





Im Reutlinger Generalanzeiger (GEA v. 11,12.79) fand sich 
die Nachricht, daß die Cruise Missile inzwischen auch 
in der BRD produziert wird, "UhtÄr der Jarnbezeichnung 
Remotely Pilofced Vehicles (Unbemannte ferngelenkte Flug¬ 
körper) wird dieses Maffensysl^f% ins- 

besondere bei MBB (Mes9erschmidt-8ölkow-Blohm)”*gebaut 
"Hxt deutschen Waffensystemen dieser Art sowie den Flug- 
führungs- und Feuerleitanlagen kann noch in den 80er 
Jahren gerechnet werden." Präziser wird eine später 
datierte Meldung der gleichen. ; 2SS^;Jd^6rklärti| daß 
die "verantwortlichen Offiziere das Zieldatum für die 
Indienstnahme der Waffen im 

Die Cruise Missile halben eine Reichweite von maximal 
2400 km und können von U-Booten, Bombern oder von . 
Lastwagen (also mobilen Basen).gestartet werden. Ihre 
Wirkung zerstört innerhalb Hrkela' 

alles Vorhandene, im Umkreis von 8km alles Brennbare. 

Aus der Mobilität ibtßt Starb&aaen ergibt eich eine; 
"Unzerstörbarkeit",, die die Cruise Missile zur Zweit¬ 
schlagswaffe geeignet macht. Dafür spricht auch die 
relativ "langsame" Flugzeit? finf Crüiab ftissile 
Torpedo würde "erst" nach drei Stunden den Ural 
erreichen - viel zu spät um ' 

zu zerstören. Aber genau dieser Zweck wird im»Nach"- 
Rustungsbeschluß vorgegeben. Folglich ist dliee . 
Argumentation nichts weiter j^||iche 

Rechtfertigung; wahrend der wahrscheinliche Zweck der 
Cruis© Missile beinhaltet, di© Aufmarsch- und Versorgungs¬ 
zentren, Flughäfen und Militärstützpunkte zu zer- 
Stören. Der eigentliche "militärlogische" Fortschritt 
dieser Waffe liegt in ihrer TreffgenauigkeitS ; -:f.BCh 
einem Flug von ca.24oo km, w«j^e« der sowjetische Radar- 
gurtel unterflogen werden kanp. wird die Rakete aufj 

grund ihrer Zielerfassungssert^* uhibhBngig’Vdm' 

jeweiligen Wetter - bis auf Sttf|enäu ihr Ziel erfassen. 


8 








Flensburg 


PERSHING 

Diese Raketen werden seit Anfang 79 vom amerikanischen 
Rüstungskonzern Martin Marietta Aerospace gebaut und 
erlangen eine Reichweite bis zu 1800km. Ihre “Besonder- 
heit M liegt darin, daß sie selbst Flugkorrekturen vor¬ 
nehmen können um Anti-Raketen-Systemen auszuweichen. Ihr 
Hauptzweck als Erstschlags-(Angriffs-)Waffe wäre die 
präventive Ausschaltung der sowjetischen .Raketenbasen; 
für diesen Zweck besitzt sie einen “Erd-Durchdringungs- 
Sprengkopf“ (die machistIsche Sprache wird im Englischen 
deutlicher: Earth Penetrator Warhead),.der sich zuerst in 
die Erde bohren kann, um erst danach zu explodieren. 
Werden die Pershings in der SRD stationiert, bleiben der 
UDSSR ganze 4 Minuten Vorwarnzeit, - die Gefahr, daß 
sich die UDSSR deshalb gezwungen sieht, vorher zuzu¬ 
schlagen, wächst somit erheblich. 

Der “Naeh“-Rüstüngsbeschluß ist eine Voraussetzung 
von Carters Direktive 59, die zumi Ziel hat, einen 
möglichen Atomkrieg zu “europäisieren“ und dadurch für 
die USA “fahrbar“ Zu machen. 


Albersdorf 
W Kellingshusen 


HAMBURG 


Lüneburg 


' #BREMEN 

Delmenhorst 


Oldenburi 


Hohne. 


HANNOVER 


Dülmen 


Lippstadt 


iHnnelager 


hamminkel 


Menden 


Dortmund 


Schwalmstadt 


DÜSSELDORF 


ILahn-Giessen 


Montabaur 


Hanau 


FRAMKEUST 


/Aschaff enbUTg 


Wiesbaden 


Idar-Oberstein 


Bamberg 


Taubarbischof shaimU^ 
ilder MANN- -jfiLg 

1 0 heim • SP* 

Va IaiwtUau tern 
u« ^^v® A ®)NeckarEul.7. 


er zog enau rach 
S^^Nürnberg 


Crailsheim 


W Regensbug 
^3 Pasf« 


STUTTGART 


^©/Schwäbisch Gmünd 


Grossengs 




'füllender* 


& ß) Kempten 


Ergänzt wird dieses Programm mit den 108 Pershing-II, 
die ausnahmslos in der BRD stationiert werden sollen. 

Oie abgebildete BRD-Landkarte zeigt bestehende Standorte 
mit atomaren Waffen - meist in schon vorhandenen' 'mllltiri- 
schen Sperrgebieten - oder anders ausgedrückt: zeigt Orte, 
oie bevorzugt zu Zielobjekten der UDSSR-Rslcet#n Wjerderi* 
Obwohl die Dichte schon.hoch genug ist, um sich vorzu¬ 
stellen, daß die ganze BRD in atomar^ Asche verwfedelh 
würde, muß festgestellt werden, daß nbdh weitere Stand¬ 
orte gesucht werden. Zu diesem Zweck sind zur Zeit sogar 
US-Militärs unterwegs, die die Lage, die Preise für das 
Land etc. auschecken, so z. 0. in Itterbeck bei . ftotdhorrw 


9 










CARTER: "Aber es ist nicht mehr wahr, daß es im Atom- 
krieg keinen Sieger geben könnte* Es käme eben darauf 
an, welcher atomare Krieg geführt würde: Wer mit den 
Präzisionswaffen zuerst zuschlägt und dem Feind seine 
Angriffswaffen zerschlägt, hat die Chance zu gewinnen. 
Außerdem sind die Atomlager übervoll.*.” 

m 

Daß dabei besonders mit der bundesdeutschen Bevölkerung 
gepokert wird, wird noch deutlicher, wenn man sich die 
Bemühungen der USA anschaut, auch ihre Langstrecken¬ 
raketen (MX) mobil und damit "unverwundbar" zu mache:. 
Während is dann in der BRD 108 festinstallierte "Pershing- 
Städte" geben wird, legt die USA ein 6400 km langes 
unterirdisches Grabensystem an, das mit 57 Milliarden Hark 
bis spätestens 1989 fertiggestellt werden soll. Unter 
den Bundesstaaten Arizona, Nevada, Neu-Mexiko und Utah 
wird ein Gleissystem entstehen, auf dem mit MX-Raketen 
bestückte Züge permanent umherfahren. Dabei gelangen 
die ca, 200 Raketen an insgesamt 8800 mögliche Stationen , 
von denen aus sie gestartet werden können. Startsilos 
sind nicht mehr notwendig, so daß der Gegner keine Er¬ 
kennungszeichen mehr besitzt, um ein solches System 
wirksam zu treffen. Was durch die US-8omber in der Luft, 
die neue Trident-Rakete von den U-Booten aus an Mobilität 
schon erreicht ist, setzt die MX auf dem Festland fort. 

Die MX-Raket© trägt 10 Sprengköpfe, die alle einzeln feuer- 
bar sind und von denen jeder 335 Kilotonnen Spreng¬ 
kraft besitzt. 



Um diese absurde Sprengkraft zu verdeutlichen: - die 
Hiroshima-ßomfce hatte 12,5 Kilotonnen Sprengkraft und 
verbrannte Menschen im Umkreis von 3,5 km? der Feuer- 
sturm dauerte 6 Stunden, und der immense Sauerstoff¬ 
verbrauch erstickte die Menschen auch außerhalb des 
3,jtkm Zirkels (bzw. heute würde er auch Menschen in 
potentiellen Atomschutzbunkern ersticken). Würde eine 
solche Rakete ein AKW treffen, hieße dies Kernschmelze; 
- egal, ob der Reaktor an-oder abgeschaltet wäre! 



Das Konzept der "MobilitätsUrtverwundbarkeit" ist der 
Anfang vom Ende des grundsätzlich fragwürdigen Gleich-' 
gewicht-Spiels. Da die UDSSR sehr viel länger brauchen 
wird, gm sich mit ähnlichen Waffensystemen einzu¬ 
decken - bleiben zwei Denkspiel© offen; Die UDSSR muß 
noch vor 1986 (erste MX installiert) Zuschlägen oder 
"harmloser": sie muß die Fertigstellung'mit politischen 
Mitteln (Berlin z.B.) verhindern/verzögern. 



10 







Zusammengefaßt bedeuten diese Fakten, daß der "Nach"- 
Rüstungsbeschluß nur demagogischer Sprachgebrauch für 
eine Aufrüstungspolitik ist, die dem Westen technisch 
ca. 10 Jahre lang einen atomaren Vorsprung verschafft* 
Dazu wird das Risiko der verständigen Zerstörung 
scheinbar auf Europa abgeschoben* - ein militärischer 
Konflikt mit der UDSSR aus der Sicht der USA somit 
denkbar. Wenn dies auch unrealistisch sein dürfte, 
weil dieUSA schwerlich ausgespart würde, so verschiebt 
sich dieses vorgebliche "Gleichgewicht des Schreckens” 
zuungunsten der UDSSR und die Stimmen, die in den USA 
ganz offen mit einem Atomkrieg vor 1990 kalkulieren, 
mehren sich. (Wenn mann/frau so cool darüber schreibt, 
fühlt mann/frau sich selbst pervers, weil wir - wie.die 
Militärs - nur die "nackten” Fakten berücksichtigen)' 


In Holland und Großbritannien gibt es starke Be¬ 
wegungen gegen Atomwaffen aller Art. In der BRD hatte 
die Linke wohl bisher wenig Interesse, sich mit diesem 
Datenwirrwarr einzulassen. Daß diese abgehobene Militär 
Politik der BRD jedoch gefährlich wird, sollte Grund 
genug für-unser Interesse sein und mit der Anti¬ 
haltung verbunden werden, die der Widerstand gegen 
die Rekrutehvereidigungen gezeigt hat. Wir wollen und 
kühnen in diesem Informationsartikel kein Widerstands¬ 
konzept. anbieten, aber wir ..finden, daß es an der Zeit 
für eine breite antimilitaristische Bewegung ist, die 
sieh der unterschiedlichsten Aktionsformen bedient 
und sich keinesfalls über eirie "Gewaitdiskussion” 

' selbst lahmlegen darf. Angesichts dessen, daß die 
militärischen Anlagen und Einrichtungen für Zivilisten 
nahezu'unerreichbar abgeschirmt werden, kann es kein 
Patentrezept geben. Wer allerdings 1983 noch nicht 
s aMswandarn will, bzw. nicht recht Weiß wohin, sollte 
/lieh auf seine Weise in Zukunft intensiver mit dem' 
sich verschärfenden Militarismus beschäftigen. 


Oie BRD spielt einmal mehr den notwendigen Steig¬ 
bügelhalter, indem sie die europäische Stationierung 
dieser Raketen im Rahmen der NATO forciert, * sie teil¬ 
weise selbst herstellt. Die Mehrheit, der seit dem 
Krieg vereinheitlichten "unabhängigen” Presse ver¬ 
wirrt die Öffentlichkeit mit halbwahren Daten und dem 
Verschweigen der daraus für die BRD-Bevölkerung ent* 
stehenden Bedrohung weit mehr, als daß sie aufklärt* 

Ab 1983 sollen die 108 Pershing-II und 96 Cruise 
Misail© in der BRD stationiert werden. (Großbritannien 
soll 160 Cruiee Missile, Italien 112, Belgien und 
Holland je 48 bekommen. Allein die Holländer heben ? 
etwas dagegen, worauf die WELT gleich snspringtt 
"Di© holländische Krankheit der NATO lat gefährlich.»** 1 


Weitere Informationen auch ins 

Aufrüsten, um abzurüatfen? rororo 4717 
Courage Sonderheft (allerdings nur den Beitrag 

von Helen Caldicott); v 

Graswurzel Nr.50 (Jan Stehn) 

Theresa Wobbe: Referat, Frauensommeruni 80 

















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(wir übernehmen diesen Artikel aus einem Extrablatt 
der RADIKAL; fordern gleichzeitig aber unsere Berliner 
Leser/Häuserkämpfer dazu auf, uns verstärkt mit Be¬ 
richten/ Artikeln/Informationen einzudecken) 

Das Loch in der Mauer der Macht darf nicht wieder 
zubetoniert werden. Jetzt in diesen Tagen, noch besser 
eignen sich die Nächte, gilt es nachzusetzen, das 
Loch ständig zu vergrößern. Schon erkennen wir 
Konturen dahinter. Treibt Keile in die klaffenden 
Spalten. Hört nicht auf die Priester, die euch seit 
12 Jahren in die Integration treiben wollen. In 
Kreuzberg ist Krieg. Wir haben ihn nicht gewallt - 
und doch schon lange drauf 1 mrtet. 

\ PERSPEKTIVE HINTER BARRIKADEN? 

StraÖenschlachten in Kreuzberg, Bambule auf dem 
Kudamm, fragt mich nicht, was ich davon halte - 
dafür war ich zu nah dran. Sicher, es war ein gutes 
Gefühl den Bullen mal ernsthaft was entgegenzusetzen 
und nicht, wie schon so oft, niir Ohnmacht und 
Resignation. Unsere Argumente waren handfest, klein 
und rechteckig, dach den Diskussionsstil haben SIE 
uns aufgezwungen. Nicht wir wollen die Gewalt. 

Es bleibt ein Gefühl der Stärke, Tausende waren 
neben mir auf der Straße. Doch angesichts von 
mehreren hundert Schwerverletzten und dutzend von 
Eingeknasteten ist für mich klar, daß in dieser 
Widerstandsform auf die Dauer für uns keine Per¬ 
spektiven liegen. Zumindestens jetzt noch nicht. 

Am Freitag (12.12.80) war noch die Überraschung 
auf unserer Seite, am Montag schon hat uns die 
Staatsmacht erstickt. Andere Kampfformen, die uns 
nicht so viele Platzwunden und Haftbefehle ein¬ 
handeln, den Staat aber umso mehr schwächen, müssen 
jetzt an die Stelle des offenen Schlagabtausches 
treten. Die Zeit für den Bürgerkrieg ist noch nicht 
reif (schaut euch die Bürger an), doch es gilt 
ihn vorzubereiten, über das WIE gibt es keine General¬ 
stabspläne (Bakunin sei Dank), aber überall Dis¬ 
kussionen, also auch in dieser Zeitung. (Und in 
dieser l Anm.der Red.) 

DEZENTRALE AKTIONEN!? 

Das Probla» ist seit vielen Jahren und in vielen 
Ländern das gleiche. Immer und überall waren die 
Unterdrücker militärisch überlegen (sonst könnten 
sie nicht unterdrücken). Schon lange bauen SIE 
auch in unserem Land, ihre Macht aus und versuchen 
sie zu sichern, denn SIE wissen genau, daß SIE sie 
eines Tages verlieren werden. Für die Unter¬ 
drückten hat ©s immer nur eine Möglichkeit ge¬ 


geben, den Koloß Staat anzugreifen: in kleinen Gruppen 
zuzuschlagen und sich sofort zurückzuziehen. Ich t 
. nenne es hier "Dezentrale Aktionen 11 , andere nennen 
es "Guerillastrategie 1 ’. Doch was heißt das eigent¬ 
lich, was steckt hinter den Spriohhilsent? 

Sicher ist damit nicht (nur) ^MblMe in die \tor~ 
orte schmeißen** gemeint. Vielmehr Staat und Kapital 
überall anzugreifen, ohne dabei den Knüppel und 
Knarren ein Ziel zu bieten. Dezentral heißt, sich 
nicht auf einem Terrain festfahren, wo uns der Gegner 
mit seinen Kampfmaschinen letztendlich überlegen sein 
muöj dezentral heißt überall, auf allen Ebenen 
nach Möglichkeiten des effektiven Widerstands suchen. 
Dabei können wir mit unserer Phantasie und Flexi¬ 
bilität dem starren Apparat überlegen sein. Weiße 
1 2 Mäuse im Karstadthaus gehören ebenso zur endlosen 


DIE KUNST DER PROVOKATION 

DEN STAAT DER LÄCHERLICHKEIT PREISGEBEN 

DIE EBENE DER NACKTEN- KONFRONTATION MEIDEN 

DAS UNABSEHBARE GENIEßEN von Ifi8*f#ck 







langen Kette von möglichen Aktionen» wie Brand¬ 
anschläge auf Maklerbüros. 

PROPAGANDA DER TAT 

Genau so wichtig, wie die Aktion selbst, ist ihre 
Vermittlung. Unüberlegtes politisches Handeln, 
Avantgardeanspruch und Heldenmythos schaden der 
Bewegung mehr, als sie nützen, können gar zu ihrer 
gänzlichen Isolierung und damit zu ihrer Zerschlagung 
beitragen. Solange es nicht möglich ist, SIE durch 
einzelne Aktionen entscheidend zu schwächen, solange 
müssen sich alle Aktionen als Teil einer gemein¬ 
samen Öffentlichkeitsarbeit verstehen, das heißt, 
unser Ziel verdeutlichen und andere zum Mitmachen 
agitieren. Gewalt oder Gewaltlosigkeit, Militanz 
oder Witz, stehen dabei nicht als Alternative gegen¬ 
über, sondern müssen einander ergänzen. Kopf- und 
bauchlose Eskalationen der Gewalt nützen allerdings 


' • • . . . „4 

sicher nur denjenigen, die das "Problem" mit einer 
gigantischen "Aktion Wasserschlacbt" zu ihren Gunsten 
beenden wollen. 

VIELFALT STATT EINFALT 

Auf allen Ebenen anzugreifen, vielfältige Wider- . 
standsformen praktizieren, heißt auch, allen Versuchen 
Uns in "Gemäßigte" und "Chaoten" zu spalten, mit 
Aktionseinheiten und Bündnissen entgegenzutreten. 
Gemeint ist hier nicht Kompromiß um jeden Preis, 
sondern der Versuch gemeinsames Handeln zu erlernen» 
Vielleicht ist das die schwerste von.allen Aufgaben« 
Trotzdem muß jedem radikalen Linken klar sein, daß 
auch "friedliche" Großdemos wichtig sind, Teil unseres 
gemeinsamen Kampfes gegen Beton» Bullen und Computer. 
ES IST NOCH WEIT BIS ZUR ANARCHIE. 

DOCH DAS IST KEIN GRUND, VORHER UMZUKEHREN. 


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Rucken. 

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in 

ts.-p? . s,e « 








Am Sleinheiligen Abend gab es viele Opfer, manche 
wehren sich, von andern hört man nichts. Der 40- 
jährige Lehrer H. hat auf originelle Weise versucht, 
die ahnungslosen Zürcher zu informieren. 


Am 24. Dezember folgt® H. 
(seit 16 Jahren als Lehrer 
tätig) dem Aufruf des Ver¬ 
eins Pro AJZ und nahrh das 
erste Mat an einer Demo 
teil. Gegen 16 Uhr wurde er 
auf dem Surkiipfatz + als 
einzelner Demonstrant + 
von der Polizei zusammen¬ 
geschlagen («Es törf nöd 
wahr si, teil Nr. 31). Ein 
Gummigeschoss traf ihn 1 
cm unter dem linken Auge 
und am Hinterkopf musste 
ihm eine Platzwunde 
genäht werden. Bestürzt 
über diese Brutalität, an 
die er bisher nicht so recht 
geglaubt hatte, entschloss 
er sich, mit dieser Erfah¬ 
rung an die Öffentlichkeit 
zu gehen. Er hängt® sich 
ein Plakat über die Schul¬ 
tern, auf dem vorne stand: 
«Züri, so brutal isch dini 
Polizei. Am 24,12..am viert 
bin ich am Bürkliplatz als 
gwaltlose einzelne Demon¬ 
strant zämeknüpplet wer¬ 
de I» und hinten: «Ich werfe 
keine Steine. Eure Herzen 
sind schon hart genug I» 
Noch am Abend des 
24. und an den beiden fol¬ 
genden Feiertagen war H. 
in Zürich unterwegs. Hier 
beschreibt er seine Erleb¬ 
nisse: 

Mit dem Plakat um den 
Bauch, den Gummigeschossen 
im Hosensack und einer Ta¬ 
geskarte der VBZ habe ich 
noch am selben Abend, im 
Tram, an den Haltestellen und 
auf verschiedenen Plätzen die 
Runde gemacht. In die Aus- 
senquartiere habe ich mich 
nicht getraut, aber ich bin 
durch das Shop-VIlle gelaufen. 
Schon dort hatte ich das 
Gefühl, wie wenn ich einen 
Teppich von Gesprächen hin¬ 
ter mir herziehen würde. Nur 
schon mein Auftauchen hat 
gnippenbildend gewirkt. Leute 
sind neugierig zu mir gekom¬ 
men, haben ihren Kommentar 
abgegeben, haben Fragen ge¬ 
stellt oder haben mich be¬ 
schimpft. Häufig sind beide 
Fronten zusammen aufge¬ 
taucht. Es entwickelten sich 
gute Diskussionen, zum Teil 
habe Ich mit mitbeteiligt, zum 
Teil bin ich weggegangem. Ne¬ 
ben guten Gesprächen, die ich 
bereits im Shop-Ville hatte, bin 
ich mir zeitweise auch sehr al¬ 


leine vorgekommen. 

Mir scheint, dass ich mit 
1000, vielleicht auch mit 2000 
Leuten kürzere oder längere 
Auseinandersetzungen hatte. 
Ein sehr grosser Teil dieser 
Leute hatte keine blasse Ah¬ 
nung, was eigentlich läuft. 
Ungläubiges Staunen: «Ja neu 
nei das isek nöd möglich; jä 
was, jä verzelet sie doch kän 
Seich. Was, so gross sind die 
Gummigschoss, ich han mir 
die viel chlinner vorgs teilt. Ja, 
und die rüered ihne d r Poli- 
zischte a?» ' 

Dann auch sehr viele Leu¬ 
te, die mich ignoriert, an mir 
vorbei geschaut haben, mit ei¬ 
sernem Gesicht, mit der Torte 
auf den Knien irgendwohin zu 
Verwandten oder an ein Weih¬ 


nachtsfest fahrend. Dann habe 
ich manchmal insistiert* bin im 
Gang stehen geblieben, bis es 
ihnen unwohl wurde und sie 
nicht mehr recht wussten, wo¬ 
hin schauen. Dann sagte ich: 
«Gälled sie ; ich bin en Unbe¬ 
queme1» oder: «Gälled sie, es 
isch besser , wann mer verbi 
lueget, suscht müesst mer no 


afange tanke.» Die einen fuh¬ 
ren mit ganz grobem Geschütz 
ein: «Gscheht der ganz rächt, 
muesch ja nüd ane Demo gal 
Jä, du wirsch ine Schlegerei 
ine cho sL Schaad, dass sie 
dich nüd no meh vertätscht 
händ, Haus doch uf Moskau, 
wänns der det besser gfallt!» 

Manchmal hatte ich genug 
Kraft, ein ruhiges Gespräch 
mit diesen Leuten zu führen. 
Es gab auch einzelne, die sich 
in ein Gespräch einliessen, 
aber häufig sind sie sehr ag¬ 
gressiv geworden, so dass z.B, 
bei älteren Ehepaaren die Frau 
plötzlich ihren Mann, der in 
Feuereifer kam, stoppen mus¬ 
ste und sagte: «Sochummjetz 
bis emal ruhig, jetz lass doch 
dal» Es gab eine Fülle von 
Meinungen und Argumenten; 
das berühmteste war: Schaffe! 
Gang doch goschqffet» 

Ich hatte bald das Gefühl, 
ich müsse den Leuten sagen, 
wer ich eigentlich sei, wie alt 


als Beamter gearbeitet habe: 
«Jä verzelt, so alt bisch doch 
gar nöd oder verreis doch, 
wänns der nüme passt!» Die 
schlimmsten Sachen, die ich 
hören musste: «Ich würd der 
am liebschie grad au no eis tat¬ 
sche; schaad dass mer der nöd 
de Schädel igschlage hat; z’- 
totschlaa sott mer dich , ane 


ich sei und dass ich 16 Jahre 



Wand stelle, händ überhaupt 
nüt meh z'sueche da^was mei~ 
ned ihr eigentlich. Eusi Schau- 
feischterl Was isch dä mit dä 
SchaufeisctffeG won er da ka¬ 
putt mached?» 

Dass ich gewaltlos bin und 
keine Steine werfe (raein Text ■ 
auf dem Rücken), hat ein gros¬ 
ser Teil der Leute glattweg ab¬ 
gestritten;: «Jä, daschasch mer 
scho nöd säge, mir känned eu, 
mir wüssed scho wiel» Sach¬ 
werte werden über Menschen¬ 
werte gestellt: «Eusi Schau- 
feischter?» Manchmal habe ; 
ich dann meine Augenbinde 
gehoben: «Unddänn das fMis 
Äug? Mis Äug isch mir meh 
Wert als zweltuusig Schau- 
feischterh Da blieb ihnen 
dann oft;|^^jfem. weg, dem i' 

Wieder manchmal habe 
ich mich so schwäch und I 
ohnmächüg geftihlt, so viele 
1 Beschimpfungen, so viel nega¬ 
tives Zeugs! Bei einzelnen Leu¬ 
ten hatte ich das Gefühl, sie 
sind von den ! 

Haarwurzeln bis zu den Ze¬ 
hennägeln. Dabei kennen sie 
das allesnurvom Hörensagen, 
Woher kommt das, dass sie je^ 
manden, den sie gar nicht ken- ! 
nen, so beschimpfen? Einei- ; | 
tere Frau sagte: «Sie Schwein! 

Sie Schwein! S*isch ganz 
rächt, mached sie nur so Wü¬ 
ter, dann chömed sie scho nai 
dVhischtel Lügner, Ar- 
schlack, verdammtI subversivi 
Elemänt: Schad, dass es biem 
kei Todesstraf mehgit!» 

Zeitweise fühlte ich mich I 
aber auch stark,’ weil ich dach¬ 
te: Es kann nicht so sein, dass 
so viele Leute so undifteren- ! 
ziert und so primitiv, so nega¬ 
tiv reagieren. Ich fühlte mich 
stark, weil ich glaubte,, ich 
müsse nicht mit gleicher Mün¬ 
ze zurückzahlen, doch inner¬ 
lich war ich m&xctari 'äem\ f' 
Weinenüii,::A‘-. 

Dantt häbe ich ' wieder . 
■auch die andere SWte erlebt, &: [• j 
» kam zu mir unÄ. sägte: :f : 
«Nix spräche guet tutsch.Aber 
ich scho miss; der Polizia in 
Zurigo, ich scho weiss.» Öder 
ein anderer, der nicht sehr 
wortgewandt schien, kam zu 1 
mir hin, drückte mir die Hand 
und sagte: «Ich solidarisiere 
mich mit dir,» Einmal, als am 
Bellevue eine Diskussion ent- ’ ! 
stand und ich das Gefühl hat¬ 
te, da stehen mir zehn Leute 
gegenüber und ■ nie mochten : 


mich sMipn r da kam eine 
Freu, ^MÄt-i^ihril,.mit; 
Pelzmantel, so ein wemg «Zü- 
riberg; * 

Kam tllmWh 3p 


14 







l6o Seiten, 7.8o DM 



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#Chommed sie , chömmed sie! 
Da erreiched sie nüüt» und 
umarmte mich. 

Am meisten berührt hat 
mich ein älterer Mann, der auf 
mich zukam und mich offen¬ 
bar zuerst von hinten gesehen 
hat (Eure Herzen sind schon 
hart genug). Auch er umarm¬ 
te Weh und sägte: «Mte Harz 
iscknÖdhärL» 

" Auf det andern Seite -ein 
etwa tSjihriger Typ am Stauf- 
facher* der mir sehr eindrück¬ 
lich in. Erinnerung bleiben 
■ .wird. Ein junger Typ, aber mit 
einem wahnsinnig steinigen,, 
betonierten Gesicht: «Muesch 
natürli wüsse, wann ich jetzt 
mit minere Gruppe zäme war , 
dann chämdsch dra t 
chämdsch also dm. Mir sind 
die ganz Nacht underwägs gsl 
goge Demomchtrante abtät¬ 


sche. Du bisch es ferligs Ar- 
scMoch Demomchtrante? Da 
gid f s nur eis: abtätsche, abtät¬ 
sche, dünn g&nd er mtm ufd- 
Strassh ~~ Verrückt* dass so 
ein junger Mensch schon so 
verhärtet sein kann* 

Beim ganzen Querschnitt 
der Meinungen gab es fast nur 
extrem positive und extrem ne¬ 
gative und sehr, sehr wenig da¬ 
zwischen: ein Ausdruck der 

Polarisierung in unserer Stadt. 
Diese Polarisierung geht quer 
durch alle Generationen und 
ich gehe einig mit dem was 
Muschg geschrieben hat. Man 
soll "bei. Äiircher Jugendun- 
ruhen» ruhig einmal «Jiigeod» 
und «Zürcher» streichen — 
denn das ist etwas» dass in ei¬ 
nem viel grösseren “Rahmen zu 
betrachtenist. , 


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die inhaltlich zusammengehörig 
"Anarchismus - Kriegserklärung 
at" von Stefan Blankertz, ■wa¬ 
sche Manifest" und "Notizen 
nzeitkonservativen" von PSdl 













DIE FREIHEIT DER FRAUEN ALS BEDROHUNG DER MORALISCHEN * DES STAATES 

- DIE VERMITTLUNG VON FEMINISMUS UND ANARCHISflli^ "OS';.'-’ ■ 1 
IN DER PSYCHOANALYTISCHEN THEORIE Jfiiqd''-'i 

JF , — , von ’ 


Hier werden gleich mehrere Tabus druchbrochen I Was kann die Psychoanalyse mit dem Anarchismus zu tun Haben» \ 
wo sie doch in ihrer Anwendung die außer Kontrolle geratene Psyche nur neu mit dem .Normen^fc^ der ieseli- j 

^schaft versöhnt; was mit dem Feminismus, wo sie doch gerade ausgeflippte Hausfrauen wieder für den Haus« | 

haltsablauf zurechtbiegt; was schließlich mit Umsturz, Revolution? Für Otto Groß, von dem wir hier Auszüge 
aus mehreren Zeitungsaufsätzen abdrucken, Freudschüler (1877-1920), Mutterrechtler und Anarchist, bestand in 
diesem Zusammenhang die einzig mögliche Hoffnung auf eine revolutionäre Befreiung von der^||^li^ 
r Staates. Und er blieb nicht der einzige, der in den Diskussionszirkeln der Mßnchner«Aöcon|^^i^|^^; 
Jahrhundertwende diese These vertrat, die ihn den wenigen Anarchafeministinnen heute müßte. 

Ausgehend von der Analyse der "inneren Konflikte« (Psychosen, Hysterien, Heurosen) als orundie^id^; 
«Konflikt zwischen c. .1 Eigenen und dem Fremden" (d.h. der individuellen Anlagen und dem y - ■ 

Normgefüqe) und der für Groß grundlegenden Frage nach dem Woher, den Ursachen dafür - 
f daß die Neurosen aus einer Abwehrhaltung der menschlichen Psyche resultieren. Denn diese könne keinen grund- 
„ Glichen inneren Widerspruch dulden. Die "inneren Konflikte" sind also Auswirkungen 
versuche des Individuums gegen die Gesellschaft und deren Reprfession unerwünschter ■ 

züge,Triebe. Damit ist auch schon die Frage nach der Begründung gesellschaftlicher Normen^||j|^l^; s 

nur das wird ja allgemein als "schlecht" bewertet, was das herrschende/System sprengen wü|ißS/TC' I 

Mit diesem bewußten Schritt in die Politik stand Otto Groß sofort in Gegensatz zur P^cho- 

analytischen Schule, die ihn aus' ihren Reihern ausschloß. - //Wer sich dafür, sowie weiter^l|^^§|^i^^- ''T'V 
interessiert: es sind im Moment folgende Büciher über -und mit Texten von- Groß erhältlich - l) Otto Groß ton 
geschlechtlicher Not zur sozialen Katastrophe, Hrsg.: K.Kreiler, Ed. Freitag/bei Robinsor|^^^^!|^iöi5q 
r 2) Emanuel Hurwitz, Otto Groß. Paradiessucher zwischen Freud und Jung, Suhrkamp 1979, 7 | 

Veranschaulichung der Bedeutung von Groß' Persönlichkeit noch interessant: Martin Green, 'Oie 

Richthofen Schwestern, dtv, Dez, 1980,12,80 — alles wohl noch so grade am Rande des erschwihd||||#n 7, ;/j/7‘ 
Ähnliche Ansätze - allerdings ohne den mutterrechtlichen Akzent - finden sich im Rahmen der tiöifth 

lieh nur noch bei Wilhelm Reich sowie in der Antipsychiatrie. t7Ä7'T^7" ' ! 

Den Ort der Entstehung des inneren Konflikts - denn mit seiner These wird jedem torsuch, psychische Erkran¬ 
kungen als angeboren zu bezeichnen, der Boden entzögen - findet Groß in der patriarchal!als' / 7 
der Erziehungsinstanz des Staates. Hier wird über die ständige Androhung von Liebesentzug ein vom Kind nicht 
auszuhaltender Anpassungsdruck erzeugt, - Ursache für die grundlegende Lebensangst aller so ZIVILISIERTEN! 
Ein. Ausdruck - besonders bei SprÖßlingen aus wohlbehüteten Bürgerhäusern - ist u.a. eine 

allem Gefährlichen, Plötzlichen, Aggressiven", die zu einem "wertbestimmenden Faktor" wii|j|; was sieh heute bis 
in die polemischen Angriffe auf sog. "Krawallbrüder und Revoluzzer" verfolgen läßt, wobei tffin sich von linker 
Seite noch geschickt hinter pseudopolitischen ’Sach’-argumenten zu verstecken sucht. 


OTTO GROSS: VQH KONFLIKT DES EIGENeFuN^ 
in: DIE FREIE STRASSE (1916) 

Tatsachen der iNatur, auf welche eine einfache und 
selbstverständliche Reaktion von selbst gegeben ist, 
sind nie der Grund und eigentliche Kern von inneren 
Konflikten und konfliktenthaltender Symbolik. Die un¬ 
gelösten Konflikte des Unbewußten, die sich in den 
Symbolerscheinungen nach außen projizieren, ent¬ 
stehen als Reaktion auf Tatsachen, auf welche zweck¬ 
mäßig zu reagieren dem Menschen zu schwer geworden 
ist: auf Tatsachen, die man zu ändern nicht imstande 
ist und doch auch nie auf eine letzte Sehnsucht, sie 
zu ändern, ganz verzichten kann. Das heißt, die unge¬ 


lösten inneren Konflikte und die Konfliktaymbolik, 
die als ihr Ausdruck aus dem Unbewußten kommt, ent- 
stehen durch den Druck von übermächtigen und uner- 
traglichen Tatsachen der umgebenden Gesellschafts- 
und F amilienordnung, 

Es ist nach den Ergebnissen der Anthropologie 
wohl nicht mehr zweifelhaft, daß die bestehende . 
Familienordnung, die Vaterrechtsfamilie, keine 
solche ist, die mit der HenBchheitsentwicklong von j 
Anbeginn her sich roitentwlckejl Mit«, dsß eie 
vielmehr das Ergebnis einer Unwälzung vorher be¬ 
standener andersartiger Verhältnisse dalBtellt. Ala: 
uranfängliche Institution erkennt di* moderne Antbro- 
















pologie (Bachofen, Anm.d.Red.) das freie Mutterrecht , 
das sogenannte Mutterrecht der Urzeithorde. Das 
Wesen der mutterrechtlichen Institution besteht darin 
daß die materielle Vorsorge für die Mutterschaftsmög¬ 
lichkeit der Frau von allen Männern der Gesellschafts 
gruppe - hier also des ganzen Stammes - gewährleistet 
wird. Das Mutterrecht gewährt der,Frau die wirt¬ 
schaftliche und damit die sexuelle und menschliche 
Unabhängigkeit vom einzelnen Mann und stellt die Frau 
als Mutter in ein Verhältnis der direkten Verant¬ 
wortlichkeit der Gesellschaft gegenüber, die als die 
Trägerin des Interesses an der Zukunft eintritt. Die 
Mythologie aller- Völker bewahrt die Erinnerung an den 
prähistorischen Zustand des freien Mutterrechts in 
der Idee von einem gerechten goldenen Zeitalter und 
Paradies der Urzeit. 

Über den Übergangsvorgang vom alten Mütterrecht, 
zur jetzt bestehenden Familienordnung besteht zur 
Zeit die sehr plausible Vermutung, daß die bestehende 
Form der Ehe als sogenannte Raubehe ihren Ursprung 
genommen hat, daß also die Grundlage der bestehenden 
Vaterrechtsfamilie aus dem Gebrauch von kriegs- 
gefangenen Sklavinnen hervorgegangen ist. Es wäre 
damit gesagt, daß die Assoziation der Sexualität ' 
mit Vergewaltigungsmotiven, die sexuelle Verge- 
waltinunnssvmbalik. welche die Menschheit durchzieht, 


auf einen universalen sexuellen VergewaltiguhgsVorgang 
als ihre menschheitsumfassende Ätiologie (Ursachen¬ 
lehre, Anm.d,Red.) zurückgeht. Sei dem wie.immer, auf jeden 
Fall müssen wir erkennen, daß die bestehende Familien^ 
Ordnung auf den Verzicht auf Freiheit der Frau ge¬ 
stellt ist, und daß diese Tatsache im inneren sexuellen 
Konflikt, genauer gesagt, in der sexuellen Vergewalti- 
gungs-und Destruktionssymbolik ihren notwendigen 
psychologischen Ausdruck findet. 

Das Grundprinzip jeder Gesellschaftsordnung ist 
die materielle Fürsorge für die Frau zur Ermöglichung 
der Mutterschaft. In der bestehenden Gesellschafts- 
Ordnung, der Ordnung des Vaterrechts, wird die Ermög¬ 
lichung der Mutterschaft der einzelnen Frau vom 
einzelnen Manne geboten, und dies bedeutet die materielle 
und damit die UNIVERSELLE ABHÄNGIGKEIT DER FRAU VOM 
MANNE UM DER MUTTERSCHAFT WILLEN. 

Der Trieb zum Muttersein in der Frau ist zweifei- j 
loser als irgendein anderer ein angeborener und unvfcrr • 
äußerlicher Grundinstinkt,. und die bestehende Gesell*?* 
schaftsordnung erzeugt mit der der Frau gestellten 
Alternative zwischen dem Verzicht auf das Muttersein 
und dem Verzicht auf die freie Selbstbetätigung die 
Gegensatzstellung und Konfliktibildung zwischen den beiden 


essentiellen Grundinstinkten in der Frau: des spezifisch 
weiblichen Triebes zum Mutterwerden und des allgemein 
menschlichen zur Aufrechterhaltung der eigenen unab¬ 
hängigen Individualität. 

i Der Mutterinstinkt gehört so sehr zum Wesen der Weib¬ 
lichkeit, daß sich die innere GegensatzStellung zu 
■ ■''■'diesem ? Instinkt'nur ; als Verneinung der eigenen Weiblich¬ 
keit selbst, als Wunsch nach Männlichkeit psychologisch 
■manifestieren kann. Und das bedeutet, daß aller Willen 
zur eigenen individuellen Selbstständigkeit, zur Frei¬ 
heit und zum Sichbetätigen sich in der Frau mit der 
! Verneinung der eigenen Weiblichkeit selbst, mit einer 
Art von homosexueller Endeinstellung assoziieren muß. 

: ein# ebenso ergibt es sich aus der der Frau gestellten 
Notwendigkeit, auf ihre individuelle Selbstständigkeit 
zu verzichten, wenn sie Mutter werden will,daß sich der 
i Trieb zun Mutterwerden und damit das Weibseinwollen über¬ 
haupt mit einer menschlich uhd sexuell passiven End¬ 
elnstellung, mit einer masochistischen Triebkcmponente 
verknüpfen muß. ; ■ 

Es Ist näbfr dem-frühst Gesagten Selbstverständlich, 
daß der Konflikt zwischen diesen beiden Endeinstellungen, 
dieser tiefste innere Konflikt der Frau nur dort erhalten 
bleibt, wo sich ein unverlierbarer Willen zum Festhalten 
an der eigenen Individualität und ihrer Freiheit, ein 
Willen, sich nicht vergewaltigen zu lassen, erhalten 
kann. Das heißt also ln den Allerwenigsten. Die ungeheure 
Mehrzahl der Frauen finden ihr inneres Gleichgewicht und 
ihre innere Einheit in dem Verzicht auf eigene Individua- 
Xitßt, in menschlicher wie sexueller Passivität. 

• 1h. allen Frauen erhält sich, sei es bewußt oder 

unbewußt, sei es mit innerlichem Ja oder Nein, das 
Gefühl, daß sie mit ihrer Sexualität und 
.Jfutterschgft sidh vergewaltigen, lassen: die "jferga- 
waltigungs-und•Destruktiqnssymbblik für Sexualität 
i|hd Mutterschaft. Gleichwie in allen Männern, sei 
es bewußt oder unbewußt, sei es mit innerlichem Ja 
öder M©in, sich unverlderbar ein Gefühl erhilti daß 
Ibre sexuellen Beziehungen zur Fraß im Grunde Verge- 
s 4altigung ; sind". ’ . 








Von der Untersuchung der Vaterrechtsfamilie gelangt Groß dann zur Situation der Frau in derselben. Angeregt 
durch die ethnologischen Studien Johann Jakob Bachofens behauptet er die historische Bedingtheit des Patriar¬ 
chats, dem eine mutterrechtliche Gesellschaftsform vorausging, in der die Frau ihre Individualität selbst¬ 
bestimmt ausleben konnte. Ihre Mutterschaft wurde sozial abgesichert, so daß sie sich nicht im Austausch 
wie später in der Ehe - prostituieren mußte. Als materielle Veranlassung für die Entstehung des Patriarchats 
betrachtet Groß' den Übergang zum Ackerbau. In der Agrargesellschaft sieht er die Verankerung der'Familie - 
damit hängt auch seine These vom notwendigen Zerfall der Familienbindungen durch die Verstädterung zusammen 
(siehe Beitrag 4). Für ihn ist der allgemeine .*Sittenverfall* also positiv; denn hier 'verfallen 1 die*Stützen 
der staatlich - patriarchalen Un-Ördnung. Und die Auflösung der Familie, die Befreiunq der Frau aus .derselben, 
wird so zur wichtigsten Forderung. 


OTTO GROSS:ZUR NEUERLICHEN VORARBEIT: VOM UNTERRICHT 
in: DAS FORUM (1919) 

Die Kenntnis vom Menschen, wie er wirklich ist, die 
Konfrontierung des.Menschen und seiner wirklichen 
Anlagen, seiner angeborenen Möglichkeiten, Werte und 
Fähigkeiten.und wirklichen Ansprüche an das Leben mit 
dem, zu was ihn die bestehenden Bedingungen der 
heutigen Gesellschaftsordnung umgebrochen haben. 
Allein aus einer Kenntnis seiner eigenen, verbotenen, 
verleumdeten und von ihm selbst vergessenen Natur und 
Wesensart kann die Zusammenfassung aller Kräfte des 
Protests kommen, eimporgetragen und in Glut gehalten 
vom unbezwingbaren Willen des Menschen, der sich 
selber erkennt, er selber zu sein. (...) 

Die Rückeroberung des unbewußt gewordenen, durch 
übermächtigen Druck von außen her in die Verdrängung 
gezwungenen Anteils des Seelenlebens durch die mo¬ 
dernen psychologischen Methoden bedeutet, konsequent 
und kompromißlos durchgeführt, die Wiederherstellung 
reinen Menschentums durch die Befreiung vom ver¬ 
ändernden, verbildenden und beschränkenden Einfluß 
von Suggestion, Verführung und Zwang; sie bedeutet 
in folgerichtiger Weiterführung den Kampf gegen 
Anpassung überhaupt undl damit gegen das Prinzip der 
Autorität in jeder»-zum mindesten in jeder zur Zeit 
bestehenden Form, im Innern der Familie und der 
Beziehungen von Mensch zu Mensch wie im Verhältnis 
zu Staat, Kapital und Institution. 

Die Selbsterkenntnis in diesem neuen Sinn, die 
Ausdehnung der Persönlichkeitsweite zu ihrer natür¬ 
lichen, alle verlorenen Kräfte und alle verlorene 


Freiheit umfassende Große zeigt jedem einzelnen an ihm 
selbst die furchtbare Bedeutung des Konflikts,, der 
zwischen dem Anspruch des Menschentums an das Leben 
und dem beschränkenden Zwang der bestehenden Ord¬ 
nung ist. Sie lehrt den einzelnen an sich selbst den 
ungeheuren Verlust erleben, den er durch Anpassung 
an die Autorität erleidet. Das heißt: sie lehrt ihn 
sein Interesse am Kommen der Revolution. 

Sie lehrt zugleich die Entstehung des,Unverständ¬ 
lichen und Störenden in der menschlichen Seele, des 
Unzweckmäßigen überhaupt in allem Erleben und Tun aus 
dem Konflikt im Inneren, welchen die Unvereinbarkeit des 
eigenen Seins und Wollene mit den fremden, durch auto¬ 
ritativen Druck von außen her empfangenen Motiven auf¬ 
reizt. Sie lehrt das Freiheitswidrige im eigenen Inneren 
als Folge der Gebundenheit an eine freiheitswidrige 
Gesellschaftsordnung zu erkennen und durch Erforschung 
der Zusammenhänge solcher Art die dunklen Kräfte aus der 
eigenen Seele auszuschalten, durch deren unbemerkte und 
unablässige Wirksamkeit die höchsten Errungenschaften 
jedes revolutionären Sieges, die Freude an, der Freiheit 

aller und die Lösung von der Freude an der Macht, verloren 
gehen. 

Allein in der Erwartung, daß die neue Selbsterkenntnis 
jedem Menschen in seinem eigenen Inneren.das Recht auf 
die Revolution und die Pflichten des Revolutionärs, die 
Pflichten der eigenen \farbereitung entdecken und einer 
neu erstehenden, Kultur zur Basis und zum souverähen 
Inhalt werden möge, vermag der Glauben an Erneuerung und 
neue Sicherung der Revolution eich zu erhalten. Was noch 
von Hoffnung an die Menschheit in uns geblieben ist, be- 
ruht auf ihr.- 



Auch aus psychologischer Sicht. Als Ursache des psychischen Elends bei Frauen erkennt er nämlich deren 
künstlichen Zwiespalt zwischen der Sexualität auf der einen Seite und dem Wunsch nach Selbstverwirklichung 
auf der anderen, der durch die Zwangssituation in der Ehe erst erzeugt wird. Eine anarchistische Bewegung 
die sich am feministischen Anspruch und dem Anspruch sexueller Freiheit messen lassen will, darf sich bah 3 Ä 
nicht selbstsicher darauf beschränken,nur dis als staatlich begriffene Ehe abzulehnen. Gerade für die nicht»" 
verheiratete Frau ergibt sich aus einer möglichen,sozial nicht abgesicherten Schwangerschaft der genannte 
grundsätzliche Zwiespalt bezüglich ihrer eigenen Sexualität. Daher ist jede zwischengeschlechtliche B*zie 
hung in Frage zu stellen, die dieses Problem der Frau als reines VERHUTUNGSPRGBL£M zu den Akten leqen zu 
gönnen meint. Trotz aller dann möglichen sexuellen 'Freiheiten' (?) ändert sich nämlich der grundlegend« 

^ Ko^lil^ für|| die Frau noch lange nicht. 

18 










1 OTTO GROSS: DIE KOMMUNISTISCHE GRUNDIDEE IN DER 
PARADIESSYMBOLIK 
in: SOWJET (1919) 

Der kritische Punkt der Mutterrechtsordnung - oder wie 
wir auch sagen können: der von der kleinsten Einheit 
aufwärts kommunistischen Gesellschaft - ist ihre so¬ 
ziale Kompliziertheit; sie hat den innerlich geschlossenen 
Zusammenhalt der Gruppen, der sie gedeihen läßt, auch 
ihrerseits wieder zur Voraussetzung. Ihn auf der 
breiteren Grundlage wiederherzustellen, wird in der 
kommenden Zeit die beherrschende Aufgabe sein, als 
Korrektur der uralten Schuld, daß man ihn einst, beim 
ersten Anschwellen der sozialen Komplizierungen ver¬ 
fallen ließ. 

Es dürfte sich um eine Phase handeln, in welcher 
eine Steigerung der Naturausnützung ein dezentralisiertes 
Wirtschaftssystem bequemer erscheinen ließ. Das war des?» 
erste Sicherheben des neuen wirtschaftlichen Individuelle 
gegen die alte soziale Moral: es! war die Entstehung des 1 
Eigentums. Sie scheint auch von der Genesis mit der 
Entdeckung des Ackerbaus in Verbindung gebracht worden 
zu sein - so wenigstens dürfte der Hinweis (in der Bibel* 
Anm.der Red.) auf den Landbau in der Verkündigung des 
kommenden Unheils zu erklären sein. 

Eine Zeit der Auflösung also, in der sich der 
seilschaftsbau sowohl als das natürliche Beziehungsgefühl 
des Individuums zum Individuum, die, elementare Moral 
zersetzte, eine solche Zeit der äußeren Wie der inneren 
Unsicherheit gibt einen Hintergrund für die Möglichkeit, 
daß sich die Trau für die schwierige Situation der 
Mutterschaft die größere Sicherheit und ausgiebigere , ' 
Unterstützung vom einzelnen erhof ft. Daß sie-sich zu 



verlässiger geborgen, auskömmlicher versorgt zu sein 
verspricht, wenn sich ein einzelner als solcher zur 
Leistung verpflichtet, für solche Unterstützung 
verantwortlich bindet. Vertrag, Verpflichtung eines 
einzelnen an Stelle bishin selbstverständlicher Ge¬ 
sellschaftsgarantie. Es besteht das Problem der 
Gegenleistung. 

ln diesem Moment der Gegenleistung konzentriert 
sich der fehler der neuen Ordnung,, der unvereinbare 
moralische Konflikt der neuen Mpral. DIE GEGENLEISTUNG 
DER FRAU FÜR DIE-WIRTSCHAFTSHILFE VON SEITEN DES 
EINZELNEN IST SELBSTVERSTÄNDLICH UND PRINZIPIELL 
DIE SEXUALITÄT, und diese Verwendung der Sexualität 
ist die Sünde gegen die Sexualität, die uns die 
Genesis in ihren unmittelbaren Folgen zeigt: 
der Umkehrung der Gefühle bis zur Bewertung der 
Sexualität als eines Objektes der Scham. 

Der Inhalt der neuen Rechtsbeziehung ist also 
das Sichverkaufen der Frau in Form von Prostitution 
urid Ehe und ihr erstes direktes Ergebnis die 
sexuelle Scham, 

Die nächste Konsequenz ist dann die* Autoritäts¬ 
familie, das Bauelement der Autorität als In¬ 
stitution überhaupt.--—-—-—, 






'.Die Genesis wird Recht behalten: die wirkliche 
und unverlierbare Neugestaltung ist von dar 
Revolution zu erwarten, welche das Urprinzip der 
Autorität vernichtet und das Urproblern aller Wirt¬ 
schaft kommunistisch löst, die ganz von innen heraus 
zum Umsturz ansetzt und wieder die Sorge für Mutter 
und Kind dem Wirtschaftsverband der Gesellschaft 
zuweiseh wird, ^ y 

Die forarbeit zu solcher Revolution muß die Befreiung 
jedes einzelnen vom Autoritätsprinzip bewirken, das 
er im Innern trägt, von allen Anpassungen an den 
feigst der autoritären Institutionen, die sich in 
ihn gebildet haben im Laufe der Kindheit im Schoß der 
Aütorltltsfanille; Befreiung von eilen Institutionen, 
welche das Kind von den Perdonep seiner, Umgebung 
aufgenommen hat, die zu ihm und .Untereinander selbst 
im ewigen Kampf um die Macht gestanden sind; Befreiung 
vor allem von jenem skiavenhfften Charakterzug, der 
ausnahmslos jedem aus solcher Kindheit her anhaftend 
bleibt? von der Erbsünde selbst? -dem Willen-zür■Mabht. 









OTTO GROSS: PROTEST UND MORAL IM UNBEWUßTEN 
in:DIE ERDE (19X9) 


In einer bestimmten Ent- ! 

wicklungsphase wird jede Kultur zur Alternative 
von Untergang oder Metamorphose determiniert: mit 
der vollendeten Reifung der Stadtkultur. 

Oie Souveränität der Stadt im Kulturellen.und was 
dafür Voraussetzung ist: zivilisatorischen Leben ist 
die vollzogene Überwindung der langen Periode, in 
der die Scholle dem Menschen die Elementareinheiten 
der Arbeitsgruppierung und in' dieser die Grundform 
persönlichen Miteinanderlebens bestimmt: die Wirt¬ 
schaftsvereinigung Mann-Welb-KInder und die Vater- 
rechtsehe als typisch der Landwirtschaft angepaßte 
Primärgruppierung. Oer Übergang zum städtischen Leben 
beendet die Bindung der Existenz und die Anpassung 
aller bestimmenden Dinge an Boden und Ackerbau. Mit 
dieser Erlösung von der Scholle beginnt ein neues 
Erwachen der expansiven Vitalität - wie ehemals, f 

vor der Schollenbindun- •(...) 

Auf diesem Entwicklungsniveau vollzieht sich ausnahmslos 
in jeder Kultur die Katastrophe der sexuellen Moral. 

Der unaufhaltbare Zersetzungsprozess auf dem Gebiet 
der Moral enthüllt das völlige Überlebtsexn der 
Institution, In der Periode der dominierenden Land¬ 
wirtschaft eben noch haltbar als bäuerlich-ökonomische 
Einrichtungsform, wird sie - vom Augenblick der voll¬ 
zogenen Ablösung von der Scholle an - dem Menschen der 
neuen Periode wieder so fremd wie sie dem Menschen der 
Urzeit gewesen war. 

Die toerreehtsfamilie verliert, vom Bodlen gelöst, den 
ökonomischen Wert einer relativen Angepaßtheit - das 
einzige, was bis dahin noch di© UNERTRAGBARKEIT DER 
ZWANGSBEZIEHUNG zurückgedrängt hatte - und wird jetzt 
für den einzelnen auch wirtschaftlich gewöhnlich eine 
niederdrückende Last? sie behält allein noch die 
Qualität einer staatlichen Evidenthslfcung der Zahlungs- 
pfUchiigkeit für jedes einzelne Kind* Der menschliche 
Protest des Individuums gegen den sinnlos gewordenen, 
den einzelnen nur mehr beschränkenden und verbildenden 
Druck läßt sich nicht anders mehr als unter Konflikt¬ 
belastung verdrängen. Und immer größer wird die Disso¬ 
nanz einer neuen Innerlichkeit mit der stützenlas 
werdenden Tradition. 

Die charakteristischen Uberkompensationsbestrebungen » 
welche in solchen Zeiten als ‘'Moralismus 1 ’ zur Geltung 
kommen, sind ausnahmslos verlorene Versuche, den alten 
Normen ohne jede Aussicht ihre unzulänglich gewordenen 
Motive zu ersetzen oder zu ergänzen, durch eine unver¬ 
meidliche inhaltsleere Propaganda die alte Macht zurück¬ 
zubringen. Die große Belästigung des Privatlebens aber 
und unter Umständen auch noch ernstere Übergriffe, zu 
denen der Moralismus immer tendiert, erhöhen Wachstum 
und Bedeutung der antagonistisch orientierten, für 
das Kulturgetriebe solcher Phasen noch ungleich mehr 
bedeutungsvollen und charaktergebenden Erscheinung: 
des prinzipiellen Immoralismus. 



Der Immoralismus ist der Ausdruck der tiefinner¬ 
lichen latenten Ratlosigkeit solcher kritischen Zeiten, 
als Niederschlag einer Verwechslung der bestehenden, an ! 
sich selbst und von vornherein schon höchst relativen 
und nunmehr voll überlebten Moral mit.Begriff und Mög¬ 
lichkeit ethischer Werte und Normen als solchen. Des 
Immoralismus wie dem Moralismus liegt eine Verkennung 
der Zeichen der Zeit zugrunde. Denn w SittenverfäIl M . 
ist Notwendigkeit einer neuen Norm an Stelle der .alten# 

jo ist die Phase beschaffen, durch die wir hindurch« 
zugehen haben - dieselbe, in der die Krise und Katastrophe 
noch über jede Kultur gekommen ist* Es ist noch nie¬ 
mals bisher der schicksalsentscheidenden Forderung des 
Moments Genüge geschehen: der Forderung, produktiv ein 
vollständig Heues zu schaffen und zu realisieren# eine 
neue Institution und neue, diesmal der menschlichen Seele 
verwandtere Werte, zur neuen Lösung des immer blei¬ 
benden großen Problems: des Problems der wirtschaft¬ 
lichen Instandsetzung der Frau zum iüber nehmen der 
Mutterschaftsleistung. 

Nur dieses allein ist der wahre soziale und ethische 
Inhalt der Frage - der ersten und größten Gesellschafts¬ 
frage. Wird sie in dieser Entscheidungszeit nunmehr 
bewußt und verstehend gestellt, so ist das Postulat 
der Beantwortung selbst gegeben: DIB Leistung DER 
ÖKONOMISCHEN MUTTERSCHAFTSDECKUNG DURCH PRINZIPIELLE 
AUFBRXNGUNGSPFLICHT DER GESELLSCHAFT . • Damit erfüllt 
sich das Gesetz, daß alle großen Neugestaltungen ein 
Wiederaufnehmen ihrer Ausgangsformen auf einer 
höheren Ebene und Ordnung sind. Die Lösung von der 
Scholle führt die Erlebens-und Anspruchsformen, das 
innere Erfassen der Welt, der Mitmenschen und des 
eigenen Ich, die Forderung an die Gesellschaft und 
ihre treibenden Kräfte, an Institutionen und Werte, 
zur Urzeitfreiheit, nur auf dem erhöhten Niveau des 
Differenziertseins durch endlos getragenes Leid ' 

und der verzehnfachten Kraft des revolutionären 
Protests zurück. 













Di© Psychoanalyse wird so für Groß zum Instrumentarium individueller und gesellschaftlicher Befreiung. 

Indem er sie als Erkenntnismittel über die wahren Ursachen des psychischen Elends im Patriarchat benutzen will 
(Beitrag 2), geht Groß über eine nur ökonomisch am kapitalistischen Arbeitsprozeß orientierte , Analyse 
der gesellschaftlichen Beziehungsstrukturen hinaus und verweist auf den grundlegenden Mechanismus der Veran¬ 
kerung staatlicher Autorität im Individuum. So bleibt er auch vor einer Idealisierung des Proletariats verschont. 

Als Träger einer Revolution - und hier zeigt sich seine Orientierung an Nietzsche - sieht er statt dessen 
eine 'Elite 1 . Nicht aber eine von "Übermenschen" - sondern eher von "Untermenschen" : Psychiatrisierten, 

Knastis, Revolutionären,... also im heutigen Sprachgebrauch MARGINALI5IERTEN. In ihnen findet er die Nicht- 
Angepaßten, die ihre Individualität auf die Gefahr von schweren seelischen Konflikten hin zumindest verstüm¬ 
melt retten konnten. Auch hier wieder ein Anklang an Thesen der Antipsychiatrie. Die Psychoanalyse, so revolu¬ 
tionär wie Groß sie versteht, kann diese Menschen aus der Befangenheit in ihr individuelles Problem befreien - 
und auf den Staat als Urheber stoßen, somit zur Revolution motivieren und befähigen. 

Von Nietzsche übernimmt Groß eigentlich isg, den Ansatz einer Sozialkritik mit zentralem Bezug auf das In¬ 
dividuum, sowie die These, daß gerade die Besten , die mit dem stärksten Eigenwillen, an den Normen einer 
Gesellschaft scheitern müssen, die den angepaßten Durchschnitt zur Plattform erhebt» Im Gegensatz zu Nietzsche 
aber verurteilt er aus psychologischer Sicht den "Willen zur Macht". Dieser ist für ihn nur ein Ergebnis inne¬ 
rer Konflikte, bei denen die ursprünglich wechselseitig aufeinanderbezogenen Bestandteile der Psyche in Gegen¬ 
sätze gespalten und jeweils aufeinander neqativ fixiert wurden. In Orientierung an Kropotkins "Gegenseitiger 
Hilfe" betont Groß gegen den "Willen zur Macht" den ursprünglicheren "Willen zur Beziehung". 





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OTTO GROSS:ZUR FUNKTIONELLEN! GEISTESBILDUNG 
DES REVOLUTIONÄRS 
in: RÄTEZEITUNG (1919) 

Das Interesse am Sturz des Bestehenden gilt für 
jeden, außer für den, den die vollendete Unter¬ 
drückung alles eigenen Wesens und Fühlens durch 
die Suggestionen fremden Willens an das Bestehende 
.angepaßt hat - das sind in Wirklichkeit die aller¬ 
meisten. 

Nur in einer kleinen Elite- ist jene Energie 
una Intensität des Geistes, weiche die Kraft ver¬ 
leiht, die angeborene angelegte Wesenheit im 
Inneren lebendig zu erhalten, wenn auch als Ele¬ 
ment des inneren Konflikts und im inneren Kampfe 
durch Verdrängungen und Übertreibungen verdunkelt, 
umgedeutet und entstellt. 


Es ist aus diesen Zerrbildern unverlierbaren 
Menschentums in federn einzelnen, ih dem sie sich 
erhalten haben, das jedem unbewußt verankerten 
Impuls am allertiefsten zugrunde liegend© unaufgebbare 
Gute aus den Verschränkungen, die es nur zur vollen. 
Unkenntlichkeit und meistens in sein Gegenteil ver¬ 
kehren, herauszulösen und aus der Summe aller 
dieser, das verlorene Positive nach und nach ent- . 
hüllenden Erkennungen der eigenen Persönlichkeit, 
die allgemeine wahre Gestalt des menschlichen Wollene 
und Forderna frei zu machen, stets neu empirisch 
die Wahrheit zu vermitteln, daß der natürliche 
angeborene Anspruch des Menschen an den Menachen 
die freie Beziehung freier Individualitäten ist, 

im Gegensatz zur Anpassung an den Drück der Außen- 

■■ ' 

weit, aus der die universelle Krankhaftigkeit des 
menschlichen Trieblebens, die Unterwerfungsbereit- 
sclhsft sowohl als der Wille zur Macht hervorgeht. 









DER WILLE ZUR BEZIEHUNG IM GEGENSATZ ZUM 
WILLEN ZUR MACHT IST ALS DER ELEMENTARE GEGEN¬ 
SATZ DER REVOLUTIONÄREN ZUR ANGEPAßTEN - BÜRGERLICHEN 
PSYCHE FREIZULEGEN UNO ALS DAS HÖCHSTE, EXGENT- . 
LICHSTE ZIEL OER REVOLUTION AUFZUZEIGEN! 

Es wird - sowohl als allgemeine wissenschaftliche 
Erkenntnis als auch, soweit möglich, als immer 
neue Empirie im Falle jedes Lernenden! - zu zeigen 
sein, daß die Natur des Menschen, so wie sie ange¬ 
legt und jedem angeboren ist, nach den zwei großen 
Werten Freiheit und Beziehung strebt. ' 

Daß diese Strebungen der Anlage nach harmonisch sind, 
daß überhaupt natürlicherweise und aus den Anlagen 
heraus "nichts Unzweckmäßiges abgeleitet werden kann, 
also für jede innere Zerrissenheit und Selbstsabotage 
im letzten Grunde stets nur Wirkungen vori außen her, 
gewaltsame Durchkreuzung natürlicher Entwicklung ver¬ 
antwortlich zu machen sind. Daß also alles Leiden 
sowohl als alles unzweckmäßige und böse Tun stets 
Effekte des widernatürlichen Druckes sind, den die 
bestehende autoritative rdnung auf alle und alles 
legt, daß diese ganze unermeßliche Wucht von Leid 
und Bösem steht und fällt mit dieser Ordnung der 
Macht und Vormacht, des Klasaenrechtes und des 
Kapitals, der autoritativen Rechtsgebundenheit 
und des erstickten Machtkampfes zwischen den 
Geschlechtern in Ehe und Prostitution. 

Es wird die volle innere Verbundenheit der staat¬ 
lichen Institutionen mit denen der Fsmilie zu 
zeigen sein: die Notwendigkeit der völligen Be¬ 
freiung der Frau aus ihrer privaten Hörigkeit, 
der Abhängigkeit vom Mann als absoluter Grundbe¬ 
dingung jeglicher Befreiung überhaupt, die Notwendig¬ 
keit der Zertrümmerung der Vaterrechtsfamilie unter 
Errichtung des kommunistischen Mutterrechts. 

Es wird die latente unbewußte Psychologie des 
Familienlebens aufzuzeigen sein, die Qualifizierung 
des Besitzanspruches an Weib und Kind als Teilhaftig- 
kait und Mitschuld an den Werten und Institutionen 
des Bürgertums und Fixierung bourgeoisen Charakters, 
bourgeoiser Anpassungen und Befriedigungen. Die Not¬ 
wendigkeit der Sabotage der Familie, vor allem der 
proletarischen, als Grundbedingung und psychologisch© 
Grundlage der Aufnahmefähigkeit für den Geist der 
Revolution. 

Endlich? Die Vorbedingung jeder sittlichen und 
geistigen Erneuerung der Menschheit ist die Not¬ 
wendigkeit einer totalen Befreiung der werdenden 
Generation aus der Gewalt der bürgerlichen Familie 
- und auch die vaterrechtliche Familie des Prole¬ 
tariats ist bürgerlich.! - durch das kommunistische 
Mutterrecht und aus der Anpassungeschule des Staates 
durch das System des revolutionären Unterrichts. ^ j 
Das Ziel wird die Befreiung der Liebe von der Sabo¬ 
tage durch die latenten Autoritätsmotive sein, das 
passive wie das aktive, die Unterwerfungsbereitschaft 
wie der Willen zur Macht. Und damit wird ein 



©schlecht erzogen werden, das, - innerlich frei vom 
latenten unwiderstehlichen Hang zur Autorität, - die 
autorrtatslose Menschliche!t der Zukunft der 
Realisierung nähern wird. 


22 








Groß will als Psychoanalytiker zu einer Revolution aeaen den Staat beitragen. Er hat dabei den mißglückten 
deutschen Versuch einer solchen vor Augen und forscht nach Ursachen. Eine ist für ihn auf jeden Fall das Feh¬ 
len einer Distanzierung von den Strkturelementen der alten Gesellschaft; "der Revolutionär von gestern trug die 
Autorität in sich selbst", schreibt er schon 1914 an Landauer gerichtet. Für ihn wird also die persönliche 
Fähigkeit von Anarchisten zur Anarchie, von Revolutionären zur Revolution zu der Aufgabe, der er sieh mit 
seiner Wissenschaft zur Verfüqung stellen will* Hit ihr hofft er, die durch die bürgerliche Erziehung ansozir 
alisierten inneren Widerstände überwinden zu können. 

Hier muß ich vielleicht (Lästerern gegenüber) anmerken, daß ich beileibe niemanden zum nächsten Psychiater 
schicken will. Groß’ Begeisterung von seiner Wissenschaft rührt davon her, daß ihr aus seinem historischen 
Blickwinkel heraus noch alle Wege offen zu stehen schienen# Gleichzeitig wandte er sich aber auch immer gegen 
jede Form von rein klinischer Psychotherapie. Was meiner Meinung nach Anarchisten aber auf jeden Fall von Groß 
aufnehmen sollten, ist die Diskussion solcher oft oberflächlich als "nun mal eben psychische Knacks", oder 
"bürgerliche Macke" oder auch böse im Gegenzug: "feministische" oder "intellektuelle überempfindlichkeit 11 
abgetaner Verhaltensweisen, 

Wir sollten sensibler werden für unsere eigene Korruption durch Werte dieser Gesellschaft - sowohl was die 
Ebene des Sexismus angeht wie die der politischen Auseinandersetzung. Nicht durch Anbiedern an bürgerliche 
Werte bzw. durch unhinterfragtes Mithinübernebmen derselben können wir verändern. Das entspricht eher unserer 
eigenen latenten Autoritätsfixiertheit, die sich vor allem in der Angst vor dem 'Ghetto’ umsetzt. Diese Angst 
ist aber eigentlich nur der Wunsch nach melhr Macht - u.z, im Rahmen des vorgeblich bekämpften Bestehenden. 

Gerade die Form der Auseinandersetzung um Hausbesetzungen, Rekrutenvereidigungen ... sowie deren Auswir¬ 
kungen in den letzten Wochen (allgemeines Zittern und Beben der Sfcaats-tragenden Partei unter dieser Bürde) 
und Monate zeigen, daß der Weg in der Herausforderung, Provokation der Autorität und Moral des Staates liegt. 

An die gleiche Radikalität sollten wir uns aber auch auf der Beziehüngsebene herantasten. 

Und; eine weitergehende und aktualisierte Analyse der psychologischen Lebensbedingungen in der gegenwärti¬ 
gen Gesellschaft für den einzelnen steht noch aus. * 





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Am 18. März 1981 jährt sich zum 60. Male der Tag der militärischen Liquidierung der 
Kommune von Kronstadt. 

Im März 1921 meuterten die Matrosen des Marinestützpunktes des Festung Kronstadt 
gegen die Diktatur der bolschewistischen Partei; sie forderten unabhängige Sowjets. 
Sfchon im Mai 1917 hatten sie nach dem Beispiel der Pariser Kommune (1871) die unab¬ 
hängige „Republik Kronstadt” ausgerufen — zweimal hatten sie die Revolution geret¬ 
tet — und Trotzki hatte sie „den Stolz und die Zierde der Revolution” genannt. 

Die Meuterei war von Anfang an eine spontane Bewegung der Matrosen, und Lenin 
selbst erklärte am 15. März 1921: „In Kronstadt wünscht ma n keine weißen Garden, 
aber unsere Herrschaft ist dort ebensowenig erwünscht.”-^®''- ’ „..'JPfe 






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Bl 



Wir, das Berliner Kronstadt-Komitee, wollen natürlich keinen anarchistischen Histori- § 
kerkongrefl abhalten, sondern uns vor allem mit unserer heutigen « 


Bewegung/Bewegungslosigkeit zwangfrei und verbindlich auseinandersetzen, Dazu htfc JH&tSMiii :j m ^ 
. ben wir uns folgendes überlegt: EggSSkY 


*' Programm des Kronstadt Kongresses 1 
^3^7 . Mittwoch, IS.März 1981s Jb 

kJ? Kronstadt-Vemnstaltu n g 

1* Kronstadt und die Russische Revolution 
2* Me Heute des Kronstidter Aufstandes 

3, Me Lehren von Kronstadt 

4. frei für weitere Beiträge 


Donnerstag., 19* M&rz 1981:’ 

Dezentrale Arbeitsgruppen zum Kongreß 

bisher eiitgetroffenen Themenvorschläge: ,-AÄdsHBB 

1. Untersuchung von Anarchismus, Antlimpesiallsinus und neuem Internftitorilsmtis 

2. Die Bewegung; der Freien Gewerkschaften im Staatskapitalismus (Foto, UdSSR JjgJ 

usw«) ■ I4 

3. Perspektiven und Krisen der anarchistischen Gruppen in Westeuropa — eine Be- Wj* 


;I; I ^aadiobotsc^ft vom 8. 

V OAn ©II C, ’ MNF An «die An .dKer«*« 1 An idle \ 

E* * 0t soweit, der erste Sekl ist gefelle* ■ 

Bi® 

Jttit«» ln» Bruderklut vre- 
tc»J, k|7dk H>lotr1|iistijpjf« Fel<li»jar«ckßH » 
ili 'erster de# Feuer m( Jm tevo* * 
Wioitäre Krott Stadt eröflenet, weil es eiek 
die Herrackft der Komma rüsten ^ 
Är kken 'pÄ : «sulit eckte Muckt der So- r 
wjets wiederkreast eilen.: Oke einen ein- * 
**£** Sckni, ok taolt »ttr eilten ein»«- f 
Blutstropefeti m vergbka, koken | 
wir Rotarmisten, Matrosen und Arkeiter s 
Krotutladii. die- ; Here®eklt der- Kommun*- £ 

J ßc knt« Unter dem Donner der OeeckütBe j 

woWen eie uns e'rneot ikre Weckt nufnwin- i 

n U? ,t 1 M t 1! 


standsaufnahme. w0r ~**'~"~~ 

4* Unsere eigene Bewegung/Bewegungslosigkeit seit *68. 

5. Situ&tionistfsche internationale — 

fi. Anarchismus und Antimilitarismus \ 

7. Zwischenmenschliche Beziehungen \ ' ^j£ jfc f lL 

8» Unser Verhältnis zum Staat \ ijpM JF** 

9. Raus aus dem Ghetto: Verhältnis zur Szene und Alternativbewegung 
; fO.Frei für Deinen/Euren Beitrag und weitere Punkte 

Freitag, 20, März 1981: v* •* jj 

Vollversammlung t * r i 

- Ergebnisse der Arbeitgruppen 

- Diskussion der Ergebnisse § && (P.^Ö^ 

- Perspektivdiskussion Je 


Samstag, 21. März: 

1 Leteter Kongreßtag^ 

| Vormittag: Gemeinsames Frühstück ' ® 

J Nachmittag:' Bemonstration und Straßeufest gjt ***** 
\ Abend: Anarchistenball S t jgte« 

^ Mitternacht: grandioses Feuerwerk § £ gL 




hn 




^ D»e Wcrkt&tigen der ganaen Wujlt sollen 
St* , w c wir, Jie Verteidiger der j 

Meckt der Sowjet*, lle» Ae Errungen- 

, ßckften der soeielcft Revolodott wcclicn. 

] Wb werden, entweder ilegei» od«>* tm 
! fe'g|ereelie Siek ded werktfe- 
txgen Volke Trantmern Krön* 

pj| ßtadts falleii, 

* Die Werktätigen der 'geneeit Welt werden 

I fei ortfeileii,.;oker dw Blot der Un* 

ßekuldigeo wird eof die Häupter msekt- , 
tronkner oJ krmrmnistisckr Fenet»k cr : 
I kommen» I 

§1 Ea lek tfee Mackt der Sowjetei 

I DAS ,l#«BC3ÄaE''., IEV0LU- . 
S ^4jONSKOMlTEE KR ONS TADTS 

| SRBWMfftJi 




Eure Mitarbeit und Teänahme^amifongrtiß. ist nicht nur erwünscht , sondern erforderlich. Bildet lokale und regionale Komi- 
»' tees und inhaltliche Arbeitsgruppen — und meldet Euch bei uns: 

r Post: Jochen Schmück / Libertad Verlag, Postfach 153, D 1000 Berlin 44 24 

Ls Rhizom-Buchladen, 030 / 781 15 84, ab 10.00 Uhr morgens 

{ Ab 18. Dezember lagt das Kronstadt-Komitee jeden Donnerstag um 20.00 Uhr In der P.hizom-Kinelpe. Koburgerstr. 14 










jB|sdn j: Subjft«tB .bzi^ 
J|$Ä''ti(ncr sozial Au 

danach ausgerichtet 


DIE FRAGE 

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r, , , S 


NACH DEM ANARCHISTISCHEN SUBJE 


I. Oer Arbeiter als revolutionäres Subjekt 

Oer alte Anarchismus ist tot. Wie andere Sozis 
auch, orientierte er sich an der Arbeiterklasse JuM . 
der Bauernschaft als seine revolutionären Subjekte. 

Unsere Suche nach antiautoritären Traditionen und 
Anknüpfungspunkten führte zunächst zurück.zu den > 
anarchistischen Klassikern bzw. zur anarchistischen . 
Geschichte. Dabei ergab sich, daß zahlreiche ';'■■■ 

Charaktere - falls rekonstruierbar ja spg : sf fth- 
tionen leicht nachvollziehbar schienen; allein anwend¬ 
bar auf unsere heutigen Probleme, auf unsere'Gessllr* 
schaft, auf uns selbst, - ist so gut wie nichts. Und 
wir tun uns bis heute schwer, eigenes an dessen Stelle 
zu setzen, und das, obwohl uns die Notwendigkeit v 
eigentlich schon lange klar ist« 

Ursache dafür, daß sich die alten Schriften so 
schlecht übertragen lassen (- wir also so wenig von 
unserer historischen Forschung haben -)» ist weniger, 
daß sie den heutigen Kapitalismus völlig falsch be^>v ; : 
schreiben, sondern eher, daß sie Perspektiven_ygr 
allem in Bezug auf die Arbeiterschaft aufzeigen . j,; 

Da sich der Arbeiter aber im modernen 
Staat zum Bürger umwandein ließ, verlor der Anarchist: : 
mus und erst recht der Anarchosyndikalismus seine 
ursprüngliche Basis. Erscheinungen, wie die K-Grup^eh' , 
- ihr aufgesetzter Anspruch und ihr notwendig03?'4^e^* ■; 
fall mangels Resonanz und falscher Bezugsgruppe%. 
belegen, daß es nicht um ein Anarchismus-Spezifisches- 
Problem geht. Die Nazizeit und die Ideologie vom 
Wirtschaftswunder bzw. den Realsozialismus haben zu 
wenig bewußte Arbeiter überlebt, um die freiheitlich 
sozialistischen oder radikal kommunistischen Tf|d$|}iQ-> 
nen lebendig zu halten. 

Für uns ist es sicherlich wichtig, die 
zu kennen, an die*wir selbst ankhüpfen*: a^I 
es so etwas wie Verantwortlichkeit die 
Geschichte" wieder bekannt zu machen, 


O €> 


EKT 


Spanischen Bürgerkrieg geführt? Klassischer und 
historischer Anarchismus hat die Funktion,verwert¬ 
bare Gedanken beizusteuern; übertraabar ist er nicht. 
Die Lehren, die Marxisten so gerne aus der Geschichte 
ziehen, können allenfalls Hinweise, Tips oder Warnungen 
sein, niemals Handlungsanweisungen, Vorbilder und un- 
veränderbare Wahrheiten, 


Geschichte anwendbar zu machen, nimmt uns somit keiner 


ab, Wenn wir die Aktualisierung des Anarchismus im 
Kopf haben, meinen wir vor allem unsere Kämpfe in unserer 
Gesellschaft, und es gelingt uns manchmal in die 
Auseinandersetzungen anarchistische Motivation, Per¬ 
spektiven, Organisationsvorstellungen etc. reinzu¬ 
tragen. Schaffen wir es, Interesse am Anarchismus zu 
wecken oder werden wir nach brauchbaren Büchern ge¬ 
fragt, die über eine allgemeine Einführung hinausweisen, 
wird es schwierig.'.;' 


offiziellen Geschichtsschreibung der "Siigi 
keinen Platz findet oder bewußt verfälscht 
anarchistischen Klassiker beziehen sich aber 
auf IHRE historischen Bedingungen, und ihr 


mismus erklärt sich aus ihrem Vertrauen in die 


fand seine revo- 
in den:' wirt- 
Sphriften 
en - für 

" - " '■ . F ‘ 

ist, 


der Arbeiterschaft, der Landbevölkerung etc.« Es ggb • • *||wfcnrfdr -an ökologischen Pr 

wohl selten eine Antarchistengeneration, die 30 rück- Nicht, daß es heute keine Ausbeutung mehr gibt, - aber 

wartsorientiert war, wie die unsere; ~ oder wer hat sie steckt tief eingelullt im Sozialstaatgefüge und 

H ffiP Hon bäum rvnrtti 


nicht seine revolutionärsten Diskussionen 












aRM 

■ i 


fische Aufgabe des Anarchismus ist nicht mehr die 
existentielle Sicherung der Arbeiter in Ökonomischer, 
rechtlicher und weltanschaulicher Hinsicht. Es gibt den 
- wenn auch relativen - Schutz des Arbeitsplatzes, 
Mutterschutz, Unfall-,Kranken- und Altersversorgung. 


II. Der kritische Bürger als Subjekt 

So blieb dem Anarchismus (in der Nachkriegszeit bis... 
zum deutschen Herbst?,..bis heute?) zunächst nur die 
Aufgabe zur geistigen Emanzipation von Aberglauben, 
Irrationalismus, Intoleranz oder Patriarchat beizu¬ 
tragen, um so dem verschleierten Totalitarismus beizu¬ 
kommen •und Autoritäten zu hinterfragen. Die ange¬ 
sprochenen (nicht mehr:die revolutionären!) Subjekte 
waren deshalb eher bürgerliche Jugendlich© bzw* kritische 
bürgerliche Öffentlichkeit. Aus dieser Konstellation 
wuchs in Großbritannien die Konzeption vom "Pragmatischen 
Anarchismus"* In einem Land, wo die anarchistische 
Tradition nicht ausgelöscht war, sondern sich stetig 
fortentwidkeln hatte können, paßten sich die Anarchisten 
den veränderten Bedingungen an und suchten ihr neues 
Subjekt. Da die Revolutionierung der Massen nicht mehr 
anstand, verzichteten sie kurzerhand auf die Utopie: 

"Die Aufgabe dies Anarchisten besteht nicht darin von 
der zukünftigen Gesellschaft zu träumen, vielmehr ist 
es seine Aufgabe, so anarchistisch als möglich inner¬ 
halb der gegenwärtigen Gesellschaft zu handeln."(Geoffrey 
Oatergaard, ANARCHY 27,1963). Zu dieser Richtung zählt 
auch Colin Ward mit seinem Buch "Anarchismus in Aktion 
(Impuls Verlag 1978), Ward geht davon aus, daß die 
Alternativa zur gegenwärtigen autoritären Gesellschaft 
bereits real in dieser vorhanden und angelegt ist, daß 
sie nur "wie die Saat unter dem Schnee unter dem Gewicht 
des Staates und seiner Bürokratie, des Kapitalismus und 
seiner Verschwendung begraben liege," 


So sehr diese 'Richtung den 

feitle? erschließt, ihr' 1 Handel 

und so einer völligen 

keit ih nicht-revolutionären 

enthält sie auch die Gefahr 

Vor allem dann, wenn die konkippi||^^ 

weltschutz, Wohnungsformen, 

nung oder Betriebsarbeit nicht mehr mit eigentlichen 
anarchistischen Inhalten gekoppelt werden kann, weil 
die Anarchoschinken nichts Spez;lfisches'':hergeben', man 
selbst von der Praxis kritischen 

•Bürger meist mit der theraceutlSdhen■Funktion lhrsaj und 
unseres Tuns ganz zufrieden sind. Das Resultat ist 
bekannt: Anarchisten arbeiten : ü.b:efall;' mit,: .• iii|i 
wichtige Träger von Aktionen 

außen hin zwar den Stempel "links" tragen, aber |sKi 
Wesentlichen zutiefst ' 

einzelnen meist recht unbefriedigt lassen, 4 ( 

Oder: Anarchisten geben sich 
lehnen alles ab, was in den §§i|)M 
licbkeitsarbeit für die 

hohle Phrasen, voller Pstbos-liftfrevötutiobärenr''(Äf nn “ 
liehen) Gestus. Daß es keiner versteht* interessiert 
dann nicht mehr: "die ! M 

■ Perspektivreichö Arbeit 
zustande, während die'erate3fÄj^p^ ; 

■mus leicht verlieren und 

mutige Erinnerung behalten .'Utopie, 













Die Annäherung des Anarchismus an die bürgerliche 
Jugend bzw. die Bildungshunger als Subjekt, machte diese 
mit Formen der direkten Aktion bekannt, die das A-Poli- 
tische bekämpften und das Interesse mitinitiierte, an 
politischen Entscheidungsprozessen mitzuwirken. Für die> 
Anarchisten bzw. zu Anarchisten gewordenen Menschen 
wurden Formen des zivilen Ungehorsams (Verweigern) oder 
das beispielhafte kommunitäre Vorleben zentrale Wirkungs- 
möglichkeiten,etwas vom eigenen Gedankenhorizont zu 
vermitteln. Was sich in Großbritannien 'Pragmatischer ; 
Anarchismus' nannte, findet sich bei uns zum größtenv \ 

Teil in der Alternativbewegung; - die Gefahr der Vsr- 
bürgerlichung liegt bei beiden Konzepten im "SICH: 
EINRICHTEN" oder im 'KULT DARAUS MACHEN". Der Vorteil, 
hier und jetzt soviel Anarchismus wie möglich für sidh ^ 
selbst zu verwirklichen, gemäß den eigenen Vorstellungen ^ 
zu leben, bringt die Möglichkeit mit sich, Anarchismus , 
praktisch zu machen; - ein Punkt, der der Ungeduld 
der Anarchisten entspricht, Anarchismus zur Politik der 
ersten Person macht, alle theoretische Abgehobehheit ■ 
verhindern kann und so der anarchistischen Bewegung 
ihren eigentlichen Vorteil vor marxistischen Strö¬ 
mungen aller Art verschafft. 

Die augenscheinliche Problematik entspricht der des 
Sozialarbeiters, der auf der einen Seite Übel be¬ 
seitigt, Vorschläge für besseres leben macht, auf der 
anderen Seite an die Wurzeln dies Übels nicht heran— 
kommt bzw. sogar von dort bezahlt wird. D.h.das Engage¬ 
ment von Anarchisten verkommt allzuoft zur Kosmetik 
am System oder im besten Fall zur Innovation (Erneuerung) 
des Systems. Ein Beispiel dafür liefert April Carter 
(AHDE-Verlag), der Elemente und Praktiken direkter 
Demokratie in die parlamentarische Demokratie aufge¬ 
nommen sehen will und so einer erstarrten bürgerlichen 
Demokratie lediglich zu neuem Schwung verhelfen würde. 


III. Die Perspektivlosen als revolutionäres Subjekt 

Neben diesem , ’Bildungsbü^geranarchismus ,, (oder ange¬ 
nehmer: Aufklärungs-Anarchismus), dem sich das Gros 
der Nach-68er-Anarchisten bis heute zuordnen muß (mich 
eingeschlossen), entwickelt sich wohl wieder eine 
andere Betroffenheit, die nicht nur über den Kopf er¬ 
fahrbar ist. Der Wohlfahrtsstaat veränderte sich 
zunehmend; aus den Reformillusionen erwuchs der 
Polizei-und Überwachungsstaat, aus wirtschaftlichem 
Aufschwung die Energiekrise und der Atomstaat. Die 
steigende Computerisierung und Vermarktung fördert 
die Hilflosigkeit und das Ausgeliefertsein des 
einzelnen Menschen; - damit verändert sich wiederum 
das Subjekt/ auf das sich Anarchismus bezieht. Es 
geht nicht mehr nur um den manipulierten Bürger, der 
- gegängelt wird;:- auch nicht um den Jugendlichen, der 
sich bewußt und von sieh aus dem System verweigert,- 
sondern um den verwalteten, in komplizierten und 
perfekten Herrschaftsverhältnissen eingebundenen 
Menschen. Völliger Wohnungsmangel ist dabei nur eines 
der sichtbarsten Zeichen für eine Situation,, die kaum 
noch Entfaltungsmöglichkeiten zuläßt. 

Die Maschinerie des Staates perfektioniert sich 
unter den Bedingungen ihrer ökonomischen und ökologischen 
Bedrohtheit. Sie setzt sich als Selbstzweck, den es mit 
aller Gewalt zu erhalten gilt. Der Mensch geht ver¬ 
loren; das abstrakte Prinzip bleibt übrig und drückt 
eich aus in einer Unzahl Polizisten, eisernem Fest¬ 
halten an gewinnbringender Katastrophenwirtschaft, etc. 
der einzelne verliert die Perspektive und die Gesund¬ 
heit; die Fluchtmöglichkeiten werden enger bzw. 
ökologisch kann es gar keine endgültige Flucht mehr geben; 
- der Totalitarismus aus Beton, Computern, Bürokratie, 

, j Umweltzerstörung und Abstraktion von allem- -Natürlichen 
gewinnt dem Anarchismus sein revolutionäres Subjekt 


27 










LAßT UNS AUS DEM CHAOTISCHEN MATERIAL 
DER GEGENWART TÜRME BAUEN... 

von Brita Rahf 


Betonzeit - ein Pamphlet gegen die 
Stadtlandschaft und ihre Verbesserungen 
(Institut für anti - utopische Forschungen 
Köln) 

Ein Buch für alle, die dabei sind zu ver¬ 
gessen, daß y/ir nichts zu verlieren haben.. 

Für diejenigen, die in ihrem (und sei es 
revolutionären) Alltagstrött kaum noch in 
der Lage sind, sich an ihre ureigensten 
Bedürfnisse von Leben und Freiheit zu erin¬ 
nern. Und für die, die auf eine bessere 
Zukunft warten und warten. Und alle, die 
mal wieder 'n bißchen Power im Bauch brau¬ 
chen ... 

Es geht um Beton, Symbol für unmenschlichen 
Städtebau, die Zerstörung der Natur, 
aber auch für die davon geprägten Verkehrs¬ 
fernen in unserer Warengesellschaft. 

Es geht um die Funktion der Ware und die 
des Menschen, um die radikale Infrage¬ 
stellung jeglicner Änderungsansätze, die 
zu einem Zukitten vorhandener Widersprü¬ 
che führen, zu einem Zukitten auch unserer 
eigenem Wünsche und Sehnsüchte, die 
doch der Ausgangspunkt für unsere Kämp¬ 
fe sind.Und vor allem geht es darum, dem 
unsere Kraft und Phantasie entgegenzusetzen 
und kompromißhafte Rumflickerei nicht zu 
akzeptieren. 

Der Ausgangspunkt ist die Darstellung 
der funktionalen Stadt als Spieqelbild 
des funktionierenden Lebens. Einkaufs¬ 
zentren, Straßen, Wohnungen - alles hat 
eine Funktion, der sich die Menschen in 
ihnen angepaßt haben. 

Die Anti-Utopisten greifen am Beispiel der 
Hausbesetzunqen an, wie leicht die Versuche 
der in der "Normialitat Gefangenen*, ihr Le¬ 
ben zu befreien, ohne einen vollkommenen 
Bruch mit dieser Normalität zu einem 
miesen Anbiederungsverhalten, werden kön¬ 
nen. 

,r In der Tat enthält der Akt der 
Besetzung stets einen Bruch mit dem 
Privateigentum und die notwendige * 
Erfahrung, daß der, der das Gesetz 
nicht bricht vom Gesetz gebrochen 
wird. Doch diese Auflehnung wird meist 
sofort durch die Beteuerung zu¬ 
rückgenommen , daß man ja nur das ver¬ 
langt, daß diese Gesellschaft der über¬ 
wiegenden Mehrheit längst zugesteht; 



die eigenen vier trockenen Wände zum angemessenen 
Preis. Die Bedürftigkeit zähitV nicht die Radika¬ 
lität der Bedürfnisse." V/ 

"Die Anbiederung an die Öffentlichkeit, die un¬ 
ter dem Motto "selbstbestimmtes Wohnen* heute 
oft betrieben wird, unterscheidet sich von der 
Kurzkomödie "Was bin ich brav und angepaßt"/ 
die Andere gezwungen sind, vor ihrem Vermieter 
vorzuführen nur noch dadurch* daß eie länger dau¬ 
ert," 

"Zwar ist es richtig, daß Besetzungen nur dann ei¬ 
ne Chance haben, wenn sie eine breite öffentii^ 
che Unterstützung finden. Aber diese Unterstüt¬ 
zung wird sich auf ein passives Wohlwollen be¬ 
schränken, solange man nur das Mitleid mit 
dem Elend von Minderheiten setzt, anstatt auf 
den immer schwerer zu verbergen den üb er«? 
druö am normalen Elendsolange men ein paar: 
jämmerliche Typen, die sich in Bodenspekulation 
versuchen, als die geldgeilen Bösewichter hin¬ 
stellt , die an allem Übel Schuld sind, und nicht 
die bürgerliche Angepaßtheit der arbeitenden ; 
Durchschnittsbevölkerung, deren Kampl^zensehaft 
jegliche Form von Unterdrückung erst möglich 
macht." 20 
















Der Vorwurf der Komplizenschaft wird auch den 
Gegenökonomen gemacht... 

"Über die unterste Stufe der Selbstverwaltung 
konnten die Unternehmungen der M Alternativbewe- 
gung" und "Gegenökonomie"ohnehin nie hinauskom¬ 
men- aufgrund ihres beschränkten Begriffs von 
Kapitalismus, als umweitschädigendes Ausbeutungs- 
Verhältnis zwischen Arbeiter und Kapitalist# 
bleiben sie im Rahmen eines innerbetrieblichen 
"Sozialismus" stecken.Solange ihre Tätigkeit 
darin besteht, Waren für den Markt zu produzie¬ 
ren, bleibt die Ware ihr Verhältnis zur Gesell¬ 
schaft, die Beziehungen innerhalb des jeweili¬ 
gen Kollektivs und nach außen beruhen auf der 
gleichen harten Substanz wie der Rest der Gesell" 1 * 
schaft: dem GELD und seinem Erwerb.Auch hier wer¬ 
den noch Zeit, Tätigkeit,und Produkte ENTÄUS-. 
SERT - was zurückbleibt ist die Langeweile des 
Überlebens, die man so stickig über jedem Alter¬ 
nativladen brüten sieht." 



"Mit Freunden zusammen ein selbstorganisiertes 
Kleinunternehmen aufzuziehen, kann zuweilen 
die leichteste und erträglichste Art sein, durch 
Lohnarbeit zu überleben - und ermöglicht oft 


auch in begrenzten Maß, sich bestimmte technische 
Fähigkeiten anzueignen; meistens erforden die¬ 


se Projekte wesentlich mehr an Zeit, Kreativi¬ 
tät und Kräfte für Zwecke zu opfern, die nie¬ 
mals die ifnseren sind: die Warenproduktion ak¬ 
tiv zu unterstützen, anstatt sie zu stören 
oder leerlaufen zu lassen, was in Fabrikjobs 


wenigstens in einem gewissen Ausmaß möglich 


ist.In diesem Sinn ist die Alternativbewe¬ 


gung, indem sie Begriffe wie 1 Sei bstverwal?- 


tung',* neue kollektive Lebensformen *Verän¬ 
derung des eigenen Lebens’als ideologische 
Verherrlichung der entfremdeten Arbeit mi߬ 
braucht, eines der Haupthindernisse für eine 
wirkliche Revolutionierung des täglichen Le¬ 


bens ... " 



Während hier alternatiefe Produktion als 
Flucht vor dem Leben begriffen wird, wird ein 
paar Seiten später die Flucht nach innen 
und in in sicih geschlossene Scenes niederge¬ 
macht. 

"Die anderen gehen den Weg nach innen, 
wo sie unter dem diversen Vergangenbeits- 
schrott endlich nichts als die reine Leere 
ihres langweiligen Daseins als göttliche 
Offenbarung erblicken, die von all den 
Therapiekrämern verkaufte "individuelle Auto- 
nomie"die lediglich darin besteht, die gegen¬ 
wärtige Unterdrückung aus freier Entschei¬ 
dung zu akzeptieren, nachdem man sich von den 
verinnerlichten Resten vergangener linterdrük- 
kung lösen durfte. 

Wer sich selbst nur als Gegenstand seiner Be¬ 
trachtung erkennt und nicht in seiner Praxis, 
dem bleiben nur Schatten von menschlichen Be¬ 
ziehungen und Beziehungen von menschlichen 
Schatten.Das Arbeitsfeld aller Psychogrup- 
pen. 

Und wer trotzdem nicht rausfindet, wer er ei¬ 
gentlich ist, kann immer noch die Uniform der 
Feministin, des Schwulen, des Neuen Mannes, 
des Hippies, Punks oder Geisteskranken anzie-* 
hen - wer sich definieren läßt, laßt sich be¬ 
herrschen ! " 

Von der Illusion des Freiraums bleibt nur der 
Freiraum der Illusionen. Von Nirwana bis 
Gueyara ist die Subkultur nichts aleApin- Va¬ 
kuum, ein leeres Vorzimmer, von dem sich alle 
Türen zu jedem beliebigen ideologischen Schei߬ 
haufen öffnen: Zum Reformismus, Mystizismus, 
Militanfcismus,oder zur Berufslaufbahn als Kul¬ 
turaffe beim Amt für Staatsverschönerungl* 

Einige Leute werden sich jetzt provoziert 
fühlen« Aber in linker Selbstzufriedenheit 
und gegenseitiger Beweihräucherung unantastbar 
zu versinken, (eine durchaus sichtbare Tendenz, 
mansch denke nur mal an diverse Diskussionen 
über Geldverteilung in Projekten, wo dann die 
Klappe nach außen dicht gemacht wird) läßt 
aus den Augen verlieren, djaß wir (zumindest 
ich) unser Ziel viel weitejr gesetzt haben, 
daß die konkrete Utopie im| Kopf die Autonomie 
aller fordert, das Frei-sejin von jeglichem 
; J ?wang, sei es nun der zum Arbeiten, zum 
> Termine ablha 1i en, z um Ge Id besitzen. 

: V^1leVö4u;t4pnire Tätigkeit ist für uns un- 
milielbar identisch mit der Anstrengung, alle 
unsere Wünsche zu verwirklichen; und der 
grenzenlosen Vielfalt dieser Wünsche entspricht 
notwendig die strengste Einheit in der Ablehnung 
all dessen, was ihre Verwirklichung behin- 
de rfc." 






"Entsprechend, liegt auch die Stärke jeder re¬ 
volutionären Bewegung gerade darin, keine 
Forderungen zu stellen, als die , die sich 
selbst erfüllen kann- unsere Feinde brauchen 
nicht zu wissen, was wir wünschen, erst recht 
nicht, bevor wir es tun. Und so gehören wir 
auch im Gegensatz zu den karrierebewußten 
Individualisten diese Zeitalters nicht' zu denen, 
die "wissen, was sie wollen"; aber dafür wissen 
wir, wie wir es erreichen, weil wir genau wis¬ 
sen, was uns daran hindert." 

Und von da aus gelingt dann der Blick auf das, 
was hinterm Beton ist... 

"Gutes Essen, Wein und Waffen, gibt es 
mehr als genug hinter den Gittern der 
Wohlstandsgesellschaft. Han brauchfc'kei- 
nen Beruf mehr, um in Reichtum zu leben, 
sondern lediglich Steine, Werkzeug und 
zuverlässige Freunde..." 

"Die Zukunft gehört dem Tod der Angst 
vor dem Sterben..." 

^Kleine Horden von Aufständischen durchschwei¬ 
fen die Städte, dringen überall ein,be¬ 
setzen täglich neue Räume und Gebäude, 

Wenn die Ordnungstruppen eintreffen, entgegnen 
ihnen nur noch höhnische Sprüche von den 
Wänden, deren Urheber längst an einem an¬ 
deren Ort zugeschlagen haben..." 



"Die Aufständischen befreien nach und nach 
alle Gefangenen, die Kinder aus den Kindergär¬ 
ten, und die Tiere aus dem Zoo,und nehmen sie 
in ihre Horden auf. Ämter, Behörden, Büros 
liefern genug Brennmaterial, damit nie¬ 
mand zu frieren braucht..." 

"An den Fabriktoren stehen Extremisten 
und verteilen Champagner, Schinken und Dia¬ 
manten. , . " 


"Im den Werkhallen toben Wasserschlachten, i 
In Halle 12 vermerkt eine Inschrift an der j 
Wand, daß der Rekord im Motorenweitsprung .! 
seit gestern bei 17m liegt..." 

"Beton brennt nicht, hieß es 
Jeder tut es auf seine Weise ; j 

Dann zieht man umher - 

schafft neue Verbindungslinien 



und unterbindet die alten J 

t Verkehrslinien der Ware.*." 

"Überreizungen reduzieren den Effekt der 
Erpressung, potenzieren die entschlossene 
Wüt 

nur dar Sieg ist weniger blutig als well«re 
Niederlagen...» 

(Außerdem gibts noch ein bißchen geschieht- 

liehen Hintergrund zur Entwicklung der. Be¬ 
tonzeit, ein neues Modell der Räte-nicht- 
verwalturvg, Absätze über Güterverteilung 
und das BKA, über Kinder und zu grünen 
Parteien, über....) 

Die politischen Gruppen waren nur 
die Touristen des gesellschaftlichen Rauines- 
es kommt aber darauf an, die nächata 
INVASION DER BARBAREN zu organisieren!" 


30 





































DIE "ÖSTERREICHISCHE" ÖKONOMIE-SCHIll r 

- EINE ANARCHISTISCHE THEORIF? 


von Stefan Blankertz 




1.Vorbemerkung 

j Die neuen anarchistischen Regungen in der Bundesrepu¬ 
blik haben einen erstaunlichen Mangel an öko¬ 
nomischer Theorie. Viele von uns bemerken diesen 
Mangel schmerzlich. Ein Standard-Vorwurf von mar¬ 
xistischer Seite ist denn auch: daß die Anarchisten 
schon immer nur Idealisten gewesen seien ohne jede 
Ahnung von Ökonomie. Wenn wir diesen pauschalen Vor¬ 
wurf auch zurückweisen können - eine bemerkenswerte 
Auslegung alter anarchistischer Ökonomie-Theorien , 
seien es die von Proudhon, Kropotkin oder Tucker, 
gibt es heute nicht. 

Es geht dabei nicht um,einen akademischen Wettstreit» 
welcher politische Ansatz mehr (oder auch bessere) 
Theorie hervorbringt. Es geht um konkrete Politik. 

Denn viele der anarchistischen Grundsätze haben 
ökonomische Implikationen, die heute mehr Aktuali¬ 
tät und Plausibilität denn je haben: Die marxistische 
Planwirtschaft versagt politisch (sie schafft keine 
Freiheit5, sozial (sie schafft keinen Wohlstand für 
alle) und ökonomisch (sie garantiert nicht krisen¬ 
freie Entwicklung), während die kapitalistischen 
Länder mit Regierungseingriffen und forcierter Mono¬ 
polisierung auf eben eine solche Planwirtschaft hin- 
arbeiten. Dazu kommt, daß weder die östlichen noch 
die westlichen Ökonomien fähig sich zeigen, der Umwelt¬ 
katastrophe entgegen zu wirken. 

Für die anarchistische Alternative genügt es dann 
nicht, einfach auf politisch-soziale Grundsätze 
wie Dezentralisation und Selbstverwaltung zu pochen. 
Wenn wir in der heutigen Situation glaubwürdig und 
wirksam sein wollen,, müssen wir erklären, wie unsere 
Alternative funktioniert - auch ökonomisch. 

Im SCHWARZEM FADEN No,2 habe ich von der poli¬ 
tischen Seite der amerikanischen n Libertarians M be¬ 
richtet (5,29/30). In dieser Nummer stelle ich die 
ökonomische Theorie der Libertarians vor. Um keine 


Mißverständnisse aufkommen zu. lassen* ich will diese i v 
Theorie zur Diskussion stellen, weil ich sie für be¬ 
merkenswert halte, ohne aber völlig.mit ihr überein- 
zustimmen. - Es ist übrigens wieder einmal eine i 
deutsche Ironie, daß die Ökonomen, die die 'Libertarians 
inspirierten, ursprünglich deutschsprachig waren: 
nämlich Österreicher (natürlich,^der Faschismug ■ 
hat sie vertrieben). So reden Ökonomen in Englänö und 
in Amerika ganz selbstverständlich von der "Austrian j 
School . Im Jahre 1974 bekam ein -führender' Vertreter ! 
dieser Richtung, F»A.Hayek, den Nobelpreis fit Ökonomie. 
Ich erinnere mich nicht an eine Reaktion von anar¬ 
chistischer Seite... 

Obwohl es inzwischen auch eine Reihe nicht-österreich¬ 
ischer Vertreter dieser ökonomiacheh Lehre gibt, be¬ 
zeichne ich sie im Folgenden so, wie sie in der 
amerikanischen Literatur bezeichnet wird - als "Ösfeef- 
reicbische Ökonomie". (Literatur siehe unten) 

2. Oer "österreichische" Ansatz, Eine kurze Skizze 

Der Ausgangspunkt der "Österreicher” ist eine Revision 
der klassischen Theorie vom Markt, Diese Theorie, die 
auch die Grundlage für Marx* Kritik der politischen 
Ökonomie bildet, geht von einem H vollständig infor¬ 
mierten" Markt aus: die Produzenten haben eine voll- \ 
ständige Information über die Bedürfnisse ("Nachfrage") 
der Konsumenten, die Konsumenten, kaufen aufgrund voll¬ 
ständiger Informiertheit über die Waren ("Angebot 1 *)« 

Das Ziel der Produzenten muß demnach 'Monopolisierung ; 
der Waren sein, weil sie dann nicht mehr durch Kon¬ 
kurrenz zur optimalen Produktion bei niedrigstem Preis 
gezwungen sind, sondern die Waren verknappen und die 
Preise in die Höhe treiben können. Ob nun in Kon¬ 
kurrenz oder beim Monopol: die Arbeiter und Konsumenten 
sind die Dummen, die Ausgebeuteten, Es ist dann nur zu 
natürlich, daß sie, die Mehrheit der Bevölkerung, gegen 


32 










dieses System aufbegehren und die vollständig vor¬ 
handenen Informationen in einer einzigen Institution , 
Zusammenlegen, die dann aufgrund des allgemeinen Wohls 
(das durch demokratische Kontrolle garantiert ist) die 
optimalen Ökonomischen Entscheidungen trifft. 

Oie "österreichischen” Ökonomen erkannten dagegen, 
daß die Informationen über den Markt nicht vollständig 
sind. Oie Konsumenten kaufen aufgrund von unvoll¬ 
ständigem Wissen über das Warenangebot und dessen Quali¬ 
tät. Oie Produzenten entscheiden aufgrund 1 von Ver¬ 
mutungen über zukünftiges Käuferverhalten# Der Markt ist 
bestimmt von Zufällen, Vermutungen, Einfällen, ver¬ 
änderbaren und sich verändernden Bedingungen* Oie Folgen, 
die die Veränderung eines Faktors hat, sind im voraus 
unübersehbar: wird z*ß* ein neuer wichtiger Stoff aus 
einem sonst anderswie verwendetem Rohstoff gewonnen und_ 



Die dargestellte Ärgufnientation hört sich für die, die 
aus dem Umkreis sozialistischer Gedanken zum Anarchis¬ 
mus gekommen sind, wie eine subtile ■ Verteidigung des 
Kapitalismus an. In der Tat nennen sich einige 
"Ubertarians" auch "änarcho-capitaiists". Und das 
Eigentumsrecht ist.ein zentraler Punkt der "Libertarian 
Party", z*B, bei ihrer Ablehnung der Steuern ("fcaxation 
is theft")* 



Oie Frage ist, ob die "linken" Anarchisten wirklich 
eine inhaltlich andere Position haben. Als PZoudhon 
meinte, "Eigentum ist Diebstahl", hieß'das, ?, das unter 
den ungerechten gegenwärtigen Verhältnissen erworbene, 
geraubte und geerbte Eigentum ist Diebstahl"| reclht- 
milliges Eigentum nannte er "Besitz". Krop&tkin sammelte 
Beispiele für die Koordination privater Institutionen, 
ui die Unnötigkeit zentraler Planungsinstanzen zu be¬ 
weisen, und pries Adam Smith für dessen Einsicht, daß 
der Staat in Wirtschaftsdingen nichts zu suchen habe. 


es steigt der Preis des betreffenden Rohstoffs, sind.un¬ 
übersehbar viele Firmen, Produkte und Konsumenten be¬ 
troffen, direkt wie indirekt. Die Qualität, die der 
Markt von den handelnden Menschen fordert, ist MobxlitE^i/;-' 
z.B. einen Ersatz für den verknappten Rohstoff zu fihdsh* 

Die Informationen über den Markt sind also nicht nur 1 v 

de facto unvollständig, sie sind es JJ 

natürlich, weil Prognosen für die Zukunft immer unbesti^t %j * 
sind, zum anderen aber auch, weil die Mobilität .not»*/.- 
wendig spezialisiertes Wissen hervorbringt. Für die- • 
jenigen, die (um im obigen Beispiel zu bleiben) jenen ;• s , ■ 
neuen Stoff auf den Markt bringen, ist es nicht mögiibh| ; : 



/ 



Und mit berechtigtem Itplz-weisen .wir auf'das Experi- 
/ *•<.;: * V:. 'ment unserer spanischen Genossen vom Bürgerkrieg hin, 

wo individuelle, kollektive unld kommunistische Pro- 
-- duktionsweisen nebeneinander existieren sollten und 

' ' existiert .hibpn. Die’ anarchistischen 

auf die-notwendige 

■' kein© Rede 

••und. des 
■ • ' ob nicht die 

"freie Vereinbarung" von Kropotkin genau desto Konzept 
alle Folgen auf alle Produktionszweige zu ext ‘ " w * '■’*’** 

Dies ist auch gar nicht nötig. Der Markt ist, 

reichern" zufolge, das optimale- Koamuhikötic^H^ Ffcstg#ftigte 

dem trotz unvollständiger und partikularör Information stitutionen (und seien sie demokratisch feontroiXi^rt) 

ein Ausgleich geschaffen werden kann, den keine inten- gesteuerte und Verwaltet# Mirtsachäft. Kein Anarchist ’ 

tionale Planung erreicht. ' v/S> will Planwirtschaft. Wie aber wird eine sbidhe Wirt- 


















Schaft funktionieren? Das führt doch zu Chaos» Unge¬ 
rechtigkeit, Recht-des-Stärkeren, schreien Marxisten, 
liberale und Konservative im Chor. Die "österreich¬ 
ische” Schule der Ökonomie lehrt dagegen: Keine Wirt¬ 
schaft funktioniert, die sich nicht selbst reguliert* 
Indem die Funktionsfähigkeit von Planwirtschaft be¬ 
stritten wird, wird auch die Effizienz von Monopol¬ 
wirtschaft in Abrede gestellt* Denn ob die Zentral¬ 
planung von einer staatlichen oder einer privaten 
Instanz geleitet wird, ist für den Tatbestand uner¬ 
heblich* Die einzige Überlebensroögliehkeit der staat¬ 
lichen oder privaten Monopole ist die Gewalt des 
Staates selbst * 

In diesem Sinne gibt es auch historisch-ökonomische 
linier Buchungen. Der amerikanische Historiker Gabriel 
Kolke hat (in "The Triumpf of Canservafcism%1963) 
gezeigt, daß in der Zeit der Jahrhundertwende die rein 
ökonomische Tendenz ln den USA zur Auflösung der Mono¬ 
polisierung und zur wirtschaftlichen Dezentralisierung 
ging. Gerade die "fortschrittlichen" Sozialrefozmer 
(*New Deal") haben manchmal unbewußt oft aber durchaus 
bewußt das Interesse der Konzernbosse wehrgenommen, in¬ 
dem sie den erreichten Stand der Monopolisierung fest¬ 
hielten und ausbauten - mit der ganzen Macht des Staates, 
Damit belegt Kolko eine der grundlegenden systematischen 
Aussagen der "Österreicher"; Der Monopolkapitalismus 
ist eine Folge von Staatseinoriffen und nicht die 
"natürliche” Entwicklung des Marktes * 

3* Der anarchistische Gesichtspunkt 


Es ist hier nicht der Ort die systematischen und his¬ 
torischen Argumente dieser ökonomischen Theorie aus¬ 
führlich zu referieren. Aber ein paar Worte noch zu dem 
Stellenwert, den die "österreichische" Ökonomie-Schule 
meines Erachtens in der anarchistischen Gesellschafts¬ 
analyse haben könnte: 

(a) Ohne in der anarchistischen Tradition zu stehen, ge¬ 
ben die "Österreicher" ein grundlegendes Beispiel für 
"spontane gesellschaftliche Ordnung"? (Hayek); die 
nicht durch zentrale Planung unddie Intentionen eines 
Ganzen geschaffen wird, sondern sich aus dem Zusammen¬ 
spiel individueller und gruppaler Entscheidungen und 
Einzelintentjonen ergibt ("Die Freiheit ist nicht die 
Tochter, sondern die Mutter der Ordnung:" Proudhon)* 

Die marxistische Hähne über die "chaotischen, anarchis¬ 
tischen Produktionsverhältnisse" drehen sie um: di© 
"chaotischen Verhältnisse sind es, die vernünftige Ord¬ 
nung konstituieren, während die Planung vernünftiger 
Ordnung nur Chaos und politische Unterdrückung hervor¬ 
bringt, 

(b) Ohne in der anarchistischen Tradition zu stehen, 
liefern die"österreicher" eine Institutionenkritik, die 
die Analyse und Kritik des Staates zur zentralen Auf¬ 
gabe der Politökonomie macht. Sie zeigen» daß es kein 
"Idealismus” ist, wenn die Anarchisten ihre Kritik auf 
die Staatsfunktionen zentrieren, sondern ökonomischer 
Realismus. Die Abschaffung (bzw. bei den weniger Radi¬ 
kalen: die Zurückdrlngung) des Staates wird zu Dezen¬ 
tralisation und Selbstbestimmung führen - auch in der 
Ökonomie* 


V' i 

. (c) Die "Österreicher" Dog- 

' ma von der Quasi-Natürlichke^ • 

Monopolisierung» das heute körfssrvative 

Politiker mit sturer Eintöni^j^^ - .Nicht 

individuelle Freiheit und chäöfl^^ fÜlnen zu 

Zentralisierung und Monopolisierung^; Spidern zu wönig 
Freiheit und "Chaos"* 

(d) überdies erhält die polii|^c^e ; ;toltik. der .Anarchis¬ 
ten am-realen Sozialismus dur^l' } die;.■"Österreicher" eine 
ökonomische Fundierung. Die "österreichische" Ökonomie- 
Theorie ist politischer als ;^0.\^rxistisGhe Polit¬ 
ökonomie, denn sie stellt direkten 

Zusammenhang zwischen ökonon|eehefFunktion und politi 
scher Freiheit her. Es wenn F. 

A* Hayek neben ökomanischen auch soziologische, rechts¬ 
wissenschaftliche und moralphilosophische Studien ver¬ 
faßt; und daß Murray N. Rothbarth, ein amerikanischer 
Vertreter der "österreichischen" Ökonomie, zu den füh¬ 
renden Inspiratoren der ehfrt, 

gar zu deren radikal ^tist^^^|lügpir:(iibprta^ 
rian Party Radical Caucus", vergl. SF Nr. 2, S, 30 ); 
Bleiben wird, wie dem auch sei, das Unbehagen, da(3 
mich jedesmal überfällt, 'der 

"Österreicher 11 auf das. Lob 

echaft stoße. Vielleicht ist dies aber nur ein ober¬ 
flächliches Phänomen, 

politischen*und privaten Kreise so sehr den Begriff 
der freien Marktwirtschaft belegt haben, während in 
den Begriffen der 

tisch gar kein freier Markt in der BRD (wie in den 
USA und allen anderen "kapill^llepi^nw 1 ländern'): 
mehr vorhanden ist, % w- ■ : : - ■ : . . ; 



Der Ausarbeitung und v 

Ökonom !& und Gesellschaf'fe.wfe ■ sie hier' kurz 
angerissen wurde, haben falgende; In¬ 

stitute gestellt, die in eihenij|i- mehr öder weniger 
engen Zusammenhang mit der i ^i|^ : i|ler^etien , Party" stehen: 
InstiMe for Human Stu dies * Ino* . 117? University 
Drive, Menlo. Park, CalifoiWÄ:^4öjt?r den klei¬ 
nen, aber bedeutsamen Aufagtz Häy^k, "The Uee of 
Knowledge in Society" (2: &£|arh.- * 

Center fpr Ubert a riam Studles . 2©0 Park Avenue South, 
Suite 911, New York:, N.Y* »lli dort eirecheint die 
theoretische DiekussiohezeitegH^t' Joumai of 

Ubertarian Studie.©". 


34 















Cato Institute. 1700 Montgranery Street, San Francis¬ 
co, California 94111; publiziert die "Cato Papers"; 
Essaya von Rothabarth, Hayek, u. a. (zwischen 2 und 
4 Dollar); zur Übersicht No. 2s S. C. Littlechild, 

The Fallacy of the Economy; An "Austrian"Critique of 
Conventional Economics and Government Policy(4 Dollar). 
The Reagan Foundation. 1129 State Street, Santa Barba¬ 
ra, California 93101; publiziert die "Reaaon Essays". 


npAZIFISTISCH-SOZIAliSTISCHE TEXTE ~1 

| Pazifistisch-Sozialist! sc her Text Nr. 5 ‘"Das j 
Bild des Fazifismus” von Eckehard Schmidt; hg. ■ 
von der Pazifistisch-Sozialistischen Gruppe. 1 
| Kontaktadresse: H.-3 v WiUenberg, Kalkbrenner- | 
str. 52, 0-2400 Lübeck; 24 Seiten, DM 1,50 (plusi 
I Porto) auf das PSK Hamburg 29 72 26 - 208 (Die- 
| te r Schr ei er, K iel) . „ _ . _ _[ 



Beim Symposium "Biologischer Landbau” in Kassel habe _ Q er Schrecken der Situation 

die eigenwilligen Werbezettel an der Wand neugierig ^ _ Wirtsghaftsschrumpfung 

'~ugt und mich sofort - voreilig wie ich bin - gefragt» ’ , ^ Richtung in die es geht, wird gleich auf der ersten 

wer denn da schon wieder im Namen der Ökologie neun- ^ Jr, 0, Seite angezeigt; "Es ist eine der grundlegenden Ver¬ 
malkluge superradikale Theorien verkaufen will. ’.cl^ eine [radikal ökologische 

liegt die erste Nummer vor mir und ich komme aus dem Perspektive auf die Integration des deutschen Sprachge-, 

Staunen nicht heraus. biets durch Entmilitarisierung und den Abbau der ent-? 

Optisch sieht diese Zeitschrift wie ein gut aufgemach- sprechenden Staatapparate hinausläuft.” 

tea Lesebuch aus. Schöne Bilder, Gedichte . und.-Eihte^h, ' j§|s 


Die Materialien befassen sich schwerpunktmäßig mit dem 
Landbau und den damit verbundenen alten, übersichtlich 
gegliederten und ökologisch ausgerichteten Gemeinschaft 
ten, deren Ärzüge! geschildert werden. Es 

**inä i«nf».Arten von Schilderungen, 4ie auch,in der an- 


lung in Kapitels 

- Gespräche über Amerika _ , " 

- Die Liebe zum Land (Mit einem Beitrag von 

•, « 

chin, auf den sich ja so viele Anarchisten fast weg 


chin, auf den sich ja so viele Anarchisten fast aus- sind jene Arten von Schilderungen, die auch,in der an- 

schließlich berufen, wenn es um Ökologie geht; was bei archistischen Literatur varzufinden sind : ',uf»ö>die -.fßfm*. 

mir wiederum das ungute Gefühl hinterläßt,: fiö hätten sichtlich in der heutigen Situation nichts gefruchtet 

sonst dazu nicht viel Neues zu sagen). haoen. - Oder sind aus solchen Überlegungen schon mal 













lebensfähige wirtschaftliche Einheiten entstanden, die 
Anspruch auf Allgemeingültigkeit haben könnten? Solche 
Gemeinschaften entstehen heute außerhalb eines spezi¬ 
fisch anarchistischen Spektrums. Warum? Wahrscheinlich 
klafft zwischen den von Murray Bookchin aufgewärmten 
Ideen eines vor 150 Jahren lebenden Fouriers und der 
Realität eines Landwirts, der seine Landwirtschaft in¬ 
dustriemäßig betreiben muß, eine Zu große Lücke* 8ook- 
chin glaubt, dlie technische Seite vernachlässigen zu 
können: "All diese Fragen auf eine der richtigen Technik 
zu reduzieren, wäre gegenüber der Herangehensweise, die 
heutzutage im Landbau üblich ist, eine unzureichende 
Verbesserung * Oer technische Kenner einer organischen 
Landbaumethode ist nicht besser* als der Praktiker der 
chemischen Methode, (S. 47) * Da Bookchin die Erfolgs¬ 
möglichkeiten seiner Vorschläge gesamtgesellschaftlich 
gering einschätzt, muß er sich besondere Gegenden aus¬ 
suchen, wo er jene günstigen Voraussetzungen für kleine, 
selbstversorgende - und verwaltende Einheiten noch vor- 
zufInden glaubt« "Aber in Neu England, wo es die ersten 
amerikanischen Städte gab, wo die ersten freien Gemein¬ 
den vor 400 Jahren gegründet worden sind, und wo seit 
mehr als 300 Jahren eine Tradition kommunaler Unab¬ 
hängigkeit und gegenseitiger Hilfe existiert# da 
gibt es eine Chance, solche Ideen weitaus wirksamer 
mitzuteilen, ihnen weitaus mehr Bedeutung beizumessen, 
als irgendwo sonst,"(S. ZO ), Hier beginnt Bookchin, 
vor dem Problem wegzulaufen. In dem Beitrag "Kälber, 
Milch und Politik" von Wüthrich und Derendingen wird 
präzise beschrieben, wie Schritt für Schritt beginnend 
durch Arbeit an einer besseren, zunächst technischen 
Lösung eines Problems sich der Horizont der Handelnden 
allmählich weitet und der von im geforderten ganzheit¬ 
lichen Sicht näherkommt! Meiner Meinung nach findet die 
Hauptauseinandersetzung mit Landwirten über Fragen 
einer Veränderung der Anbau- und Lebensweise in erster 
Linie auf der Ebene statt, wie das denn technisch 
überhaupt gehen soll. Da helfen keine Hinweise.auf ir¬ 
gendwelche Indianer, die zigtausend Kilometer weit weg¬ 
wohnen oder Hinweise auf einige Bafög-subventionierte 
"Landkommunen" spart man sich lieber, um sich nicht der 
Lächerlichkeit preiszugeben. 


Ist es- nicht eine Ge ring schätz#!# 1%öb lerne 

betroffener Landwirte, wenn hierj, ., ;; fei.hfi|ibat ) j 
radikale Forderungen wie Loslösung von dem öko¬ 
nomiedenken gestellt werden und #ir npch nipht 
einmal in der Lage sind, unter den gegebenen 
Bedingungen akzeptable praktische Vorschläge 
machen zu können? 

Aus dieser Frage’ ergibt sieh, vft'r- "es bis - . 
her versäumt haben, unserem "Endziel" bestimm¬ 
te qeistig-vennittelnde und technisch-organi¬ 
satorisch*- sowieso notwendige Zwischenstufen 
vorzuschalten. Es hat keinen Sihn, jemandem 
die Vision von kleinen, selbstgenügsaflien Ein- ! 
heiten schmackhaft machen zu wollen, wenn er 
noch nicht einmal davon überzeugt ist, daß der 
organische Landbau eine sinnvolle Alternative 
zum Konventionellen ist., 

Es gibt eine ganze Reihe von 


des biolooischen Landbaus, , Seit 


■ 


» bis in die '■ 

arbeitet wor- ,j 
Jrganisationen- 1 
.lschaftlicher 
rungen gemacht, 
men, - 


-Jahrzehnten bestehen. Hier wu 
heutige Zeit hinein Erfahrunq 
von der Linken bisher nicht a 
den sind. Und dabei~haben die 
trotz teilweise begrenzter g 
Zielsetzungen - politische Er 
an die wir durchaus anknüpf er» I 
In dem Kapital "Der Schrecken 
wird in den Beiträgen auf die 
Wettrüstens und der C02-Freis#fczurtg im einzel¬ 
nen eingieqangen. Ich finde esUrehr wichtig, daß 
solche bedrohlichen Zustände ausführlich darbe- 
stellt werden und nicht von Problemen der 
Selbstfindung und der Theorie Vollständig ver¬ 
drängt werden. #’v'i'*>! 

Doch ich komme jetzt zu dem .meiner 

Meinung nach wichtigsten - Beitrag von "Aie- 
maritschen"s "Das Konzept der wi^tschsfteschrump- 
fung" von Carlo Jaeger. Es is,t für mich das 
erste Mal, daß ich aus freiheitlicher Sicht eine 
Studie zu Gesicht bekomme, die: mit heute be¬ 
stehenden Volkswirtschaftliche^ Instrumentarien 

Yvi : Vi ' • • 

■ 











lass?;®* 


Art und Weise proklamiert, 
schaffen oder ähnliches. 


das Geld -,sei ähzti= 


fm KHUlcHTßmaim 
m DSmmimENmü 
iBMVE-scmmmmiRjß 




(Banken, Versicherungen, Steuern, Subventionen, behrlich werden können und daß kollektive Selbstver- 

usw) umzugehen weiß und nicht auf einerJlÄptte ' sorgung im Prozeß der Wirtschaftsschrumpfung im 

Art und Weise proklamiert, das Geld-.iiiyäbru«'■: erster Linie als sozialer Lernprozeß stattfindet. 

schaffen oder ähnliches. ^ r : ;, ss ; Trotzdem ist die Entwicklung neuer Kenntnisse und 

_ 'a;S ii-'l* •: • - Instrumente notwendig, z.B. das. Konzept der nega- 

■' i! tiven Einkommenssteuer * "Die bisherigen Erfahrungen 

fi• mit solchen Ansätzen''zeigen nun, daß bei einem Min- 

.». .. ^I desteinkommen, das ein Oberleben finanziell absichert 

A#* fcp P , keineswegs einfach jedermann den Hammer fallen läßt 

ak. k «öd die soziale Produktion nicht katastrophisch zusaip- 

fst^y / vsl raenbrächt. «•; * Das Anlegen eines Gartens ist dann 

liV $ f . 

: MjSSpg- kein .Hobby mehr, sondern in ;d!er Entwicklung kollek- 

tiver Selbstversorgung ein Schrift .auf dem Weg, 

die 'Gesellschaft aus dem Korsett der Wirtschaft zu 

^ lösen. " (S. 136) Jaeger belegt an vielen Stellen 

p >qJ^P , .seiner Untersuchung ~ und das verbindet ihn mit den 

m^f ‘ anderen Autoren dieses Heftes - daß zwingende Grün- 

0 ff yjBb f '^Sj^ä ßfSl de dafür, sprechen, sich' von der städtischen Lebens- 

j p Mit jmm "weise zu losen? . "Dabei geht es zum Teil um Tatbestän- 

1 *1 |fp> jfTT It mHmp /j§SBS m de vpn solcher Einfachheit» daß sie dauernd über- 

1 'in * If/vvl sehen werden. Darum daß seit kaum zwei Generationen 

IrYii I ^Vl £^m M^ as örste Mal. in der Geschichte der Gattung die 
a\ 1 llfill 1 ^llf ’ Mehrheit der Gesellschaft nicht mit Pflanzen und' 

fy 1 11\! ([fli,jj| Tieren wohnt und die Oberfläche der Erde vorwiegend 

* !| 1/' 1 \ji\j r als Beton und Asphalt erfährt(S. 137) für den von 

ihm ‘favorisierten Bereich schlägt er vor, daß unter 
lf ■ »" ’ ■' Berücksichtigung d©r ; -i\aet voll ständigen staatlichen 

•>■••■:• >:: V^f\;;.‘’-j''”Sutoventlonie-rung «fbfeEih#wift«dhaH• • die a ©• Gelder 

. nicht mehr als Men4 : eh^ub¥;Shtio.nen . und Verwaltungs- 
Jaeger geht davon aus, daß ein weitere« ', f; auagaben auszuschütteh .'#©ien,. 'Sondern umzuwandeln 

schaftawachstum auf jeden fall ökologisch wären in. ein garänbid^tes Einkommen ( G 

strophal verlaufen wird. Darum stellt eItebL:;. <*7 ^.• ■•, E1 nkoffiirtensst© ii er)*. • ..• .\ 

für ihn die frage: Wo hat die ökonomische Ma- &A-. Indem er. auf die ^llffdelle Energiediskussion um den 
schine ihren Rückwärtsqang? Er unterstreicht harten Weg (mit Atomenergie und Wirtschaftswachs 

die Bedeutung des heute vielfach unterech^jjff(^> uiid ü«n weichen d^* Ifcoinstituts (mit alternativen 
ten Bereichs der Dienstleistungen innerhalb Energiequellen und O-Wachstum) eihgeht und in seinen^ 

einer. Volkswirtschaft'und fordert ^ Jae9er ' C3 ^schafft 

staltung in einen verantwortlichen Umgang ,it eine in sich schlüssige und verwertbare Anregung zu- 

der Erde. Die Arbeitslosigkeit im Dienstlei- « ■ ' ■ ‘ ' 

stungsbereich eröffnet uns die Hagllchkell»-; '&'* k(a.r. öiit CnrftwpS ^^... i ... . 

Strukturen kollektiver Selbstversorgung aufzb» Y p etv5 pe^i^. trieft nvict<i^ 

bauen: " Ve, antwortlich mit Staataa'uagabo»^) r 1 Agfceb //^jWjjpi 9B Vejt 

umzugehen' heißt, mit ihnen diesen Übergang zi| , *^»yaa»ji i-. jjfITty*v t+ffff i BW mdF 

finanzieren. Auf der anderen Seite fS |Jj||y’ | 

Versuch, Selbstversorgungsstrukturen ohne 

bestenfalls zu Reservaten ähnlich denen der Indi- 

Maschine wird singeleqt, indem die Staatsausgaben ^ 

zur Finanzierung des Übergangs zu kollektiver Selbst 


Jaeger geht davon aus, daß ein weitdre©' 
schaftawachstum auf jeden fall ökologisch kata¬ 
strophal verlaufen wird. Darum stillt 
für ihn die freges Wo hat die ökonomisch© Ma-^ 
schine ihren Rückwär tsqang? Er unterstriibji^ 


■LV (J . 

Qr miC^t 






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versoraung; eingesetzt werden 


. Konkret hsißt das, f 


daß die Arbeitslosen aus dem Di©n8tlei8t.|^^^^^|v;|R1| | 
die .finanziell© Möglichkeit erhalten» pJ^cHt in 1 i!lr| 

Arbeitsprozess zurückzukehren» sondern:- 
aen Fähigkeiten in den Aufbau von_ 


mm 




Strukturen einzubrinqen . (S * 133) Jaeger 
lerdings, daß Staatsgelder punk tu eil; ?' 


o i 


WSSmm 

isii m 






«"'ÄWIWs 












Stande zu bringen. In seiner Schlußbemerkung zeigt 
er noch einmal, daß wir es uns bei unseren bisherigen 
Gesellschaftsentworfen viel zu einfach gemacht haben. 
Deswegen sollten wir uns seine Worte dick hinter die 
Ohren schreiben! »Gesellschaftliche Aufgaben werden 
nicht aus einem Set von Alternativen gewählt wie 
die Waren in einem Supermarkt;sie verdichten sich in 
einem historischen Prozeß* Was heute an, Szenarien 
über Auswege aus der Energiekrise vorliegt, ist 
Moment dieses Prozesses und nicht ein Quizrätsel 
mit der Aufforderung! Zutreffendes bitte ankreuzen!” 
(S. 142) 


Es ist an anderer Stelle schon einmal darauf 
hingewiesen worden, daß es etliche Organisa¬ 
tionen gibt, die s* .h mit Ökologie und Land¬ 
bau beschäftiaen. Es steht uns eine größere 
Anzahl von unterschiedlichen Ansichten und 
Sichtweisen zur Verfügung. Wir stehen also 
keineswegs vor einem Nullpunkt,, sondern es 
stellt sich wohl eher die Frage , was von 
dem Vorhandenen wir nutzen können und was 
nicht. Die nachfolgende kleine Aufstellung 
soll dazu verhelfen, den Zugang hierzu zu 
erleichtern. Die unter 1 genannten Zeitschrif¬ 
ten haben ein recht ausgeprägtes. Interesse 
an politischen Themen, während die unter II 
genannten eher an fachlichen Fragen des 
Landbaus interessiert sind. Nichts destowe- 
niger sind .beide Gruppen notwendig und auf¬ 
schlussreich. 


1* BAUERNBLATT vom Arb eit sk Ls;' 'Jungar 
Landwirte. Wichtiges F dir ui für die Oppositi¬ 
on zum Bauernverband. ErscfteLftL: * alle 2 Mo¬ 
nate. Preis 15 DM järhiich* Bezugs Bauern- 
b 1 a11, Oberhofweg 1, Baitfilach; , ..! 

2. ÖKO-JOURNAL; ökologt#, Alternativa, Kre¬ 
ativität, Mumm. Ersche|f|t; alle f 

Vorgeschlagener Preis: 30DM. Bezug: Öko- 
Journal, CH-912S Bäcihl|y|'|;. ' ^ . . 

3, ALEMANTSCHEN, Er schilpt 2 mal im Jahr, 
Preis des Einzelhefts: 9 DM. Bezug: M. 

Rohmer, Breulgasse 22 9 $mj$ Mäifttal 2, j 
ii. j% 1 : s 

*• GARTEN ORGANISCH. Zeitschrift für natur¬ 
gemäßes Gärtnern, praktische Ökologie und 
Erzeuqer-Verbraucher-Ksilipjjnikafciori} ver¬ 
einigt mit "Organischer Landbau". Erscheint 
vierteljährlich. Preist.20 CM. Bezug: Gar¬ 
ten Organisch, Postf.jeff* 7900 Ulm. 

5. BODEN UND GESUNDHEIT. Nachrichtenblatt 
für angewandte Ökologie. Preis: 30 DM für 
4 Nachrichtenblätter, 1-2- Broschüren und 
• 3-4 Sonderdrucke. ■ - 


||§l;ir# i Jpi gong ■. ft io - 

jerw Wissensehaft- 


7183 Lapgenburg. ■ 

6. IF0AM. Internationi^?'i/ereinigung bib- 

logischer Landbaubewegungen. N^sflinschaft- 
lichp Ber.aturn. Erache irit vi @ r teljäh r 1 i c h. 
Preis: 20 DH, für Auszubildende 12 DM. 
Bezugs -Stiftung / j 

Postf. 3048, 6750 , j 

7. LEBENDIGE' ERDE. VqnS|;fum 

für Biologisch-Dynamische Wirtschaftsweise" 
Erscheint alle 2 Ä' W±*\ 

Bezug: Lebendige Erde, Öaumschulweg 19, 

6100 Darmstadt. 






ALTERNATIVE ZDTUN6 AUS M SUBKOp 

0er SCHINDERHANNES wird von Jugendlichen Gemacht, d.h. Jugl^^che greÄn 
zur Selbsthilfe und schreiben ihre eigene Zeitung, v»rtr»ibg^'$l* -» und 
lesen sie! Es ist keine Zeitung von älteren Damen und Herreri*-■ffti ; Jüphi-"" 
liehen ihre Politik andrehen und schmackhaft machen möchten! 

Die letzt© Ausgabe erschien am 11.2.81, hat 40 Seiten und 

paradiesisch illusionäre, frustrierend realistische litersri^ii • *V. ’ 
Sätze, Gedichte, Texte. (l.-+0.50Porto) bei: Christoph Schale Mecklenburger^ 
str.16, 6231 Schwalbach/Ts• ^ J{ 4 -£ •• 








Widerstand im 3,Reich * 

Briefnotizen von Otto Reimers 

Nach der Machtübernahme der Nazis war die weitere 
Herausgabe des "Proletarischer Zeitgeist" unmöglich, 
da kein Drucker sich bereit fand zu drucken. Recht¬ 
zeitig hatten wir uns in Hamburg einen Vervielfll^ 
tigungsappsrat gekauft und stellten nun illegal, 
fast monatlich eine 12 seitige Schrift in kleinem 
Format her, die an alle Proletarischen Zeitgeist 
Gruppen* (vgl. Anmerkung) versandt wurde. Für eine 
Deckadresse hatte jede Gruppe schon im Dezember 
1932 vorgesorgt. 

Die noch, teils unerkannt oder illegal sich In "" 
"Freiheit" befindlichen Anarchisten, SyndiksllÄhi 
KAB-Freunde usw,. wußten zu gut, daß alles - was 
die ausländische Presse über Mißhandlungen und auf 
der Flucht erschossene Häftlinge berichtete■- keine 
Lüge war. Als z.B, meine Frau im Februar 1933 von 
einem verhafteten Genossen und Arbeitskollegen, dar .• 
von der Baustelle weg vom "Kommando zur Besondrer*- { < 
Verwendung" zum Stadthaus gebracht gebracht worden 
war, nach Wochen für neue Wäsche die alte töiinOh$en / 
durfte, war alles von Blut verkrustet. Auch weitört'"; f ; .. 
Prügelleien von SA und dem "K.z.8.Verwendung" a^aphi#; 
sich bald in Hamburger Arbeiterkreisen herum..-Das 
haben wir in unserem MAHNRUF seiner Zeit unverblümt | v 


: 'TX 


J. 


Gruppen; die Zwickauer um ihre Zeitschrift "Pro¬ 
letarischer Zeitgeist" und che Hamburger AAUE, beide 
weil sie mehr zu anarchistisi hen Einschätzungen 
gelangten - ohne sich allerdings den Anarchosyndi¬ 
kalisten (FAUD) oder kommunistischen Anarchisten (FKAD) 
anzuschiieöen. Auch Otto Rühle, einer der wichtigsten 
AAUE-Theoretiker, vollzog einen Umdenkungsprozess, 

Um der wachsenden Resignation in der Arbeiterschaft 
beizukomment, schlug er eine "Ergänzung" des Marxis¬ 
mus durch die Individualpsychologie vor. Gemäß seinen 
Vorstellungen entwickelte er, eine libertäre Pädagogik, 
die das "autoritäre Prinzip" im Bewußtsein des 


berichtet. Ohne Zweifel wußten alle, die sich noch 
in "Freiheit" befanden, gleich welcher Richtung, 
was mit Mühsam und änderen Häftlingen geschah. 

Im MAHNRUF stend auch des öfterem "Hitler will - ,| 

und bereitet den Krieg vor", oVjV’rs 

Mitte 1934 stellten wir jedoch die • Herstellung;, Ä* 

Der Versand wurde etwas riskanter, aber vpt allem 
war unser Grund, daß für den Inhalt kein Verständnis 
bei den Arbeitern bestand, ja fast eine 



,- : v 

W : M 


Haltung, denn, wenn es auch heißt "man habe nicht: 
von den Zuständen in den KZ’s gewußt", so bangtä 
doch jeder davor, ine KZ zu kommen. 

Leider blieb von unseren Schriften keine erhalten* 
außer dem Entwurf für das Titelblatt. Die Hefte, 
die wir vergraben hatten, konnten wir, bzw. ich* v 
1946 nicht wieder im'Wald finden. . ' 

Am, der .SF-Redaktion (übernommen aus dem" 

Buch STRASSE FREI von Oskar Kanehl; Trotzdem-toag) 
Von der AAUE (Allgemeine Arbeiter Union iÖinh^It#- 
front) trennten sich bis 1925 im wesentlich# 

' ... 


Arbeiters und in der Arbeiterfamilie abbauen helfen 
sollte. Kanehl, Pfemfert und Broh bekämpften diesen 
"Ergänzungskurs" so vehement, daß Rühle und mit ihm 
die Frankfurter Gruppe aus der AAUE austrat. Pfemfert 
Wä Kanehl blieben quasi die eigentlichem Haupt¬ 
vertreter des alten Rätekommunismus (Zeitschrift 
Öie AKTION) und gründeten den "Spartakusbund 2". 

Ab 1927 existierten letzlich drei aus der AAUE 
hervorgegängene Gruppxerungeh unterschiedlicher 
: theoretischer Ausrichtung: ^ "A. •. ' .■ 

ä)fpärtakusbynd 2 Crevolu tignär-mafeistisoh) 
^Proletarischer Zeitgeist (kommunistisch-aharcMstiach) 
























1 1! 

An alle Leser/innen, die den 
SCHWARZEN FADEN seit der 
Nullnummer beziehen - das weiß 
jede/r ja selbst am besten 
ihr müßt euer ABO verlängern. 
Überweist uns also bitte 
wieder 10.-dm .für die nächsten 
4 Nummern. Manche von euch 
haben das schon von selbst ge¬ 
macht, die meisten müssen aber 


besondere diejenigen (Bula’s und einzelne), 
die seit der Nullnummer 'ne Rechnung ihr 
"eigen" nennen, sollten mal bezahlen, 
denn das ist eine Arbeit (Rechnungsbücher 
durchsehen, Mahnungen schreiben und ko¬ 
pieren, verschicken), die ecftt nicht nötig 
wäre und bei der bloß die staatliche Post 
verdient! 

Als letztes: Wir danken denen, die uns Geld, 

Briefmarken, Versandumschlägje ;,, ge¬ 
spendet haben - .. 


noch. Falls ihr keine Lust mehr eine ebenfalls gute Art der Unterstützung 



iiiiiii 


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lÄfiiiiiiiiiiÄÄ 

WmMMmm 

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lili - ^ 

WaäiMMv - 


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rnsmiMsamisgmm^ä 


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v-r-m 








___ 


WIEDERVERKÄUFEN ! 


habt, den SF zu lesen, dann 


sei« so gut und schreibt uns 
W A R u M,- erstens wissen wir 
dann genau was los ist und 
zweitens hilft uns das, die 
Arbeit an der Zeitschrift 
besser einzuschätzen. Wir 
könnten uns - falls ihr euch 
alle auf die eine oder andere 
Art meldet, jede Menge büro¬ 
kratischer Arbeit sparen und 
hoffen, daß ihr das auch so 


FROCOf TllO K 


Abonnenten werden nach der 
Revolution bei der Vergäbe \ 
der s 

■Dienst ■ V. t- 

(z * B. Br ^üliabtubr; i 

sprich s •aÄerhative’Miil-^ : ' | 
Verwertung! 

Jahresabö s ; lty*0|5 
Wieaerverkfctff Rabatt 1 


Für Sendungen m Gefangene 
rufen wir «u Patenschaftsabos : 
auf l 

PSK ■ 
Fr ieder iiil tg^nii t Sittil ingen) 


wenn wir gerade beim Organ!- 
patorisehen, sind: insgesamt 
haben wir ca.1200,-dm offene 
Rechnungen (also fast die 
festen einer Wimmerl) -j ins- 


Nome 










UNIVERS Nr. 18 ist soeben erschienen. Thema: GEGENKULTUR Illusion» Tag 

90 Seiten mit Sachbeiträgen von Engel, Galle und Retting; Belletristik zum The¬ 
ma von Bicknaese, Chobot, Feldhoff, Kotarski, Streletz, Völkert-Marten, sowie 

anderen Autoren. 

Außerdem Texte von Kersten, Wolter und Troll, ein Autorenportrait von Reimar 

Lenz und viele Rezensionen. .. R nft 

UNIVERS erscheint im Windhueter Verlag Stuttgart, kostet als Einzelheft DM 6.0 
und ist zu beziehen beim Vertrieb ROTATION, Pfalzburger Str.72, 1 Berlin 15. 







ULCUS MOLLE-INFO 
6 Hefte20,00 DM, jährlich, Probepaket 4,50 

Der Uleu*-Moll*-Inform«tlon«lterat bringt «It 

rlctmn «u, KWnvertoBan, BuchteprecburV". "" 

«chrifttn, Kteinenzetssn-Servic», Dirku^lontforum. 

Probten ßya dsr Subkultur, Termin, 0®tm, W«. So Kt® rmnftrm 
b@nutz©n. 

Literarisches Info-Zentrum, Josef Wintjes, Böckenhoffstr.7, 4250 
BottTop, Tel. 02041 / 205 68 Oder 633 25 

Dort gibt es auch den UIcus-M olle -Infodienst (Jahrgänge 1969 - 1974 
ein historischer Leckerbissen!,465 Seiten. 


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1 Zeitschrift solange Eigentum des 
blich ausgehändigt ist. e Zurhabe- 
jng im Sinne dieses Vorbehaltes. 
:ht persönlich ausgehändigt, ist 
ichaushändigung zurückzusenden. 






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